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Kairo 678

Spielfilm aus Ägypten: Drei junge Frauen sagen der patriarchalen Ordnung den Kampf an.

Cairo 678
Ägypten 2010

Regie: Mohamed Diab
Mit: Nelly Karim, Bushra Parwani, Maged El Kedwany
100 Min. Von der FSK nicht geprüft
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Spielplan
Bad Urach forum 22:
Do, 24.05 : 18:15 Fr, 25.05 : 18:15 Sa, 26.05 : 18:15

Die filigranen Tanzfigürchen aus Golddraht sind Sebas Vergangenheit. Nachdem die Schmuckdesignerin bei einem Fußballspiel von aufgeheizten Fans vergewaltigt wurde, ist ihr seitheriges Leben zerstört. Sogar ihr Mann Sharif, ein Arzt, wendet sich ab: Er brauche erst einmal Zeit. Sharif hat Schuldgefühle, weil er die Vergewaltigung nicht verhindern konnte. Als er zu ihr zurückkehren möchte, entgegnet ihm Seba (Nelly Karim): „Jetzt kann ich mich selbst schützen. Ich brauche dich nicht mehr."
Sie bietet Selbstverteidigungskurse für Frauen an. Eine ihrer Klientinnen ist die kopftuchtragende Fayza (Boshra): „Ich fahre jeden Tag mit dem Bus. Und jeden Tag passiert mir etwas Schlimmes."
Die Techniken der Grapscher sind bereits polizeibekannt. Da kommt es plötzlich zu unerklärlichen Attacken auf die übergriffigen Männer. Ein sympathischer Kommissar sucht nach Verdächtigen, während die Zuschauerin längst weiß, dass Fayza die Täterin ist. Auch Wut auf ihren Mann mag im Spiel sein. Der Vater der beiden gemeinsamen Kinder bedrängt sie: „Die Engel verfluchen Frauen, die ihre Männer abweisen." Andererseits scheint es, als würden Seba und Nelly Fayza als stellvertretende Rächerin instrumentalisieren.
Nelly muss im Callcenter ohnehin tägliche Anmache aushalten. Da schleift ein Truckfahrer sie auf offener Straße ein Stück mit, um sie zu bedrohen und zu belästigen. Als sie ihn anzeigt und auch noch in einer Fernseh-Talkshow über die Attacke spricht, wendet sich fast die gesamte Öffentlichkeit gegen sie. Nur ihr Freund, vielleicht der einzige männliche Feminist des Films, hält zu ihr. Die Episode bezieht sich auf einen realen Fall aus dem Jahr 2008, der aber schließlich den ägyptischen Aktivist(inn)en für ein Gesetz gegen sexuelle Belästigung zum Erfolg verhalf.
Das Spielfilmdebüt des Ägypters Mohamed Diab, im vergangenen Jahr gedreht, überzeugt durch seine differenzierten Frauenporträts. Abwechselnd blendet er auf ihren Alltag und zeigt damit drei gesellschaftliche Schichten. Die gewaltsame Gegenwehr verändert das Verhältnis der drei Frauen zueinander ebenso wie ihre Beziehungen zu Männern. Der Film, nach einer Kairoer Buslinie benannt, holt ein in Ägypten lange totgeschwiegenes Thema auf die Leinwand.

Der Film feiert die selbstbewusste Individualität von drei jungen Ägypterinnen.

Dorothee Herrmann


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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