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Eine dunkle Begierde

David Cronenberg durchleuchtet dramatisch das wechselhafte Verhältnis zwischen den Psychoanalytikern Freud und Jung.

A Dangerous Method
GB 2011

Regie: David Cronenberg
Mit: Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender
99 Min. - ab 16 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Ein beeindruckender Film, der nicht nur durch eine atemberaubend gute Hauptdarstellerin überzeugt.

 Das beginnende 20. Jahrhundert war eine Zeit, als Sex(ualität) noch Skandalpotenzial hatte, und die Psychoanalyse sich erst durchsetzen musste. In David Cronenbergs Film bleibt diese Sprengkraft bloße These – eine komplett wirkungslose Macht, der es nie gelingt, die sedierte Atmosphäre einer teuren historischen Farbpostkarte jemals aufzusprengen.

Michael Fassbender spielt C.G. Jung mit der schneidigen Beherrschtheit eines konformistischen preußischen Offiziers, dem man den Psychoanalytiker nur schwer abnimmt. Ausgerechnet er wird Therapeut (und bald Geliebter) der begabten Patientin Sabina Spielrein (Keira Knightley), die später selbst als innovative Analytikerin arbeitet. Die Symptome der sogenannten Hysterie gibt Knightley überzogen bis zur Karikatur.

Ihre masochistischen Fantasien sind derart mechanisch inszeniert, dass noch deren mutmaßlicher Hintergrund (sexuelle Misshandlung) beliebig erscheint. Die einzige Figur mit einem Geheimnis ist Viggo Mortensen als Freud. Leider darf auch er nicht agieren, sondern muss statisch zu Wien in der sorgfältigst rekonstruierten Berggassen-Kulisse verharren, wie ein zufällig lebendiges Requisit.

Es bleibt ein Rätsel, warum gerade Cronenberg („A History of Violence“) sich diesem aseptischen Historismus verschrieben hat. In seiner Kulissenseligkeit bleibt noch die berüchtigte Szene, in der Spielrein endlich die ersehnte Züchtigung erfährt, unmotiviert wie im Porno. In der intensivsten Szene betrauern Psychiater und Ex-Patientin gemeinsam, dass die Grenzverletzungen zwischen ihnen nicht zum für einen Kostümfilm obligatorischen Happy End führen konnten.

Ansichten der Psychoanalyse als gediegene Ausstattungsorgie zwischen Zürich und Wien.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann


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... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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