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Cheyenne - This Must Be the Place

Melancholisches Roadmovie mit Sean Penn als depressiver Ex-Rockstar, der auf Nazi-Jagd wieder zu sich selbst findet.

This Must Be the Place
Irland 2011

Regie: Paolo Sorrentino
Mit: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, Eve Hewson, Kerry Condon
118 Min. Von der FSK nicht geprüft
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Der Teil, der in Irland spielt ist gut, der Rest ... eher einschläfernd! Das Ende ist dann auch noch Pathos pur. Ärgerlich. 2 Sterne nur wegen der guten Darsteller.

 „Irgendwas stimmt hier nicht. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber irgendwas ist.“ Protagonist Cheyenne benennt die Essenz der Story, die keine Erwartung erfüllt und sich so selber übertrifft. Eine Tragikkomödie? Groteske, Thriller, Roadmovie? Das alles ist „Cheyenne – This Must Be the Place“ – und nichts davon. Es ist am ehesten ein verfilmter Entwicklungsroman. Nur absolviert nicht ein Jüngling einen Reifungsprozess, sondern ein Rockstar-Opa.

Mit Sean Penn für die Rolle des Cheyenne hat Regisseur Paolo Sorrentino („Il Divo“) perfekt gewählt. Der Schauspieler mimt glänzend den wandelnden Schrumpfkopf. Irre Haartolle, gebeugter Gang und zerfurchtes Gesicht, das mit Lippenstift, Kajal und Puder zur Harlekin-Maske wird. Haltung und Mimik werden den abrupten Gemütsregungen zwischen schnitzigem Witz und tiefer Traurigkeit gerecht.

Cheyenne verfügt über ein Schloss in Irland, wuchernde Bankkonten und Heldenstatus. Zudem hat er dem Lasterleben abgeschworen und vergöttert seine Frau Jane, gespielt von der unbändig herzlichen Frances McDormand. Doch: Cheyenne hadert mit seinem alten Leben, mit monotoner Stimme kommentiert er mal sarkastisch, mal melancholisch seine Ziellosigkeit.
Bis sein Vater im Sterben liegt, und er in die USA reist. Er macht sich quer durch die Staaten auf die Suche nach dem greisen Aloise Lange (in der Rolle seines Lebens: Heinz Lieven). Der hat als KZ-Aufseher Cheyennes jüdischen Vater einst so gedemütigt, dass dieser es nie verwunden hat. Die Suche bringt Cheyenne mit Leuten in Kontakt, die allesamt gescheitert sind – und doch eine menschliche Wärme in sich haben, die anrührt. Regisseur Sorrentino lässt sich nie dazu hinreißen, künstliche Dramatik beizumischen. Die Bilder nehmen sich Zeit, grandiose Kamerafahrten, die Geschichten ohne einen Schnitt erzählen. Dazu ein Soundtrack, der Facetten herausarbeitet. Und schweigt, wenn zu schweigen ist.

Die Leistung des Film ist, dass er kaum erklärt und doch funktioniert. Wenn man ahnt, wie es weiter geht, drehen sich jäh Handlung oder Dialog. Auf einmal sitzt ein Indianer neben Cheyenne – und verschwindet wortlos in die Wüste. Szenen als Metaphern, sperrig und stimmig. Sie illustrieren die Hauptperson, ohne die Chronologie aufzulösen. Ausgenommen das wundersame Ende: eine finale Demütigung, ein Abschied von der Kindheit, eine Rückkehr des verlorenen Sohns.

Ein Paradisvogel auf der Suche nach Haltung, begleitet von tollen Bildern, Klängen und Typen.

Flashplayer benötigt.

Fabian Ziehe


Zuletzt Kommentiert

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