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Eine ganz heiße Nummer

Komödie um drei Damen unterschiedlichen Alters, die in einem Kaff im bayerischen Wald eine Sexhotline gründen.

Deutschland 2011

Regie: Markus Goller
Mit: Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer, Rosalie Thomass, Monika Gruber
96 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Schon eher eine "Klamotte" als ein Film zum Nachdenken. Aber extrem unterhaltsam ...

Wenn eine Geschäftsidee zu sehr einschlägt, kann einen das ziemlich in Verlegenheit bringen. Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) sind erst einmal sprachlos, als ihre eben installierte Telefonsex-Hotline sofort genutzt wird. Die drei wohnen in einem stockkatholischen Kaff mitten im Bayerischen Wald, und die Kreditlinie für ihren Tante-Emma-Laden droht endgültig auszulaufen. Auch die Männer im Dorf stehen vor dem Nichts, seit die örtliche Glashütte geschlossen hat.

Regisseur Markus Goller („Friendship!“) hat ein Gespür dafür, den Abstand des Hinterlands von der globalisierten Welt in den Dingen anzuzeigen. Lena fährt einen uralten BMW. Aus einem Radiorecorder aus den 1980er Jahren verkünden die Lokalnachrichten die desolate wirtschaftliche Lage.

Weniger glücklich ist Goller mit der Story (nach dem Roman von Andrea Sixt) und den Darstellern. Eine Schauspielerin vom Format einer Gisela Schneeberger überzeugt noch als gestandene Raucherin und „Pack’ ma’s“-Schrittmacherin. Von ihr und dem Kabarett-Kollegen Sigi Zimmerschied (als katholischer Dorfpfarrer mit leichter Schleimnote) hätte man eine Erneuerung der Regionalkomödie erwarten können.

Doch die Darsteller wirken, als hätte die ZDF-Koproduktion sie „Im Weißen Rössl“ oder im Musikantenstadl gecastet, und als wären sie seit 50 Jahren in der bayerischen Provinz festgefroren. Trotzdem nahm beispielsweise das Bistum Regensburg Anstoß an dem Film und ließ in der zunächst ausgeguckten Kirche keine Dreharbeiten zu. Woanders dürfte der verdruckste Streifen keinerlei Schockpotenzial entfalten.

Die intrigante Gastwirtin (ebenfalls vom Kabarett: Monika Gruber) zieht den Film vollends in die Dirndl-Ecke. Sperrigere Nebenfiguren wie Marias alter Vater („Wen interessiert scho, was andere meinen?“) bekommen nur Kurzauftritte. Die erfrischenden Pointen von „Calendar Girls“ sind weit, weit weg von dieser Klamotte.

Provinzklamotte, die Telefonsex mit Biene-Maja-Humor verblendet.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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