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Und dann der Regen

Ein westliches Filmteam gerät beim Dreh eines Historienfilms in Bolivien zwischen die sozialen und politischen Fronten.

Tambien la lluvia
Spanien 2010

Regie: Icíar Bollaín
Mit: Gael García Bernal, Luis Tosar
104 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Ein sehr gelungener Film mit tollen Schauspielern. Langeweile kommt hier zu keinem Zeitpunkt auf. Der Film im Film zeigt Parallelen zur Gegenwart. Dieser Wechsel macht die Sache spannend.

Spielplan
Mössingen Lichtspiele
Fr, 25.05 : 20:15

Es hat was von einem Viehmarkt, wenn im Hochland von Bolivien unter den Indios Laien-Darsteller für ein großes Historienepos gecastet werden. Dabei verfolgt das aus Europa angerückte Filmteam unter Regisseur Sebastian (Gael Garcia Bernal) und Produzent Cristo (Luis Tosar) durchaus hehre Ziele: Ihr Streifen über die spanische Eroberung Amerikas stellt Christoph Kolumbus als Bluthund bloß und will den ausgepressten und massenhaft ermordeten Ureinwohnern ein Denkmal setzen. Doch schon bald klaffen (sozialkritischer) Anspruch und (neokoloniale) Praxis weit auseinander. So werden die einheimischen Komparsen mit jämmerlichen Almosen abgespeist, und als die armen Bauern der Umgebung einen Aufstand gegen die Privatisierung der Trinkwasserver­sogung wagen, fürchtet die Crew vor allem um ihre Ruhe und Sicherheit.

Personifiziert wird der Konflikt von Daniel (Juan Carlos Aduviri), dem die Indio-Hauptrolle im Kolumbus-Film anvertraut wurde, und der zugleich die Revolte gegen den Westkonzern anführt. Als er verhaftet wird und ihr Filmprojekt deswegen den Bach hinunter zu gehen droht, brennen bei Sebastian und Cristo alle moralischen Sicherungen durch.

Der an den Wasserkrieg von Cochabamba im Jahr 2000 angelehnte Film von Icíar Bollaín erfüllt alle konventionellen Kriterien eines packenden, optisch opulenten Sozialdramas, genügt aber auch höheren Ansprüchen im Diskursfeld Kunst und Politik. Die spanische Regisseurin betreibt ein raffiniertes Spiel auf der Klaviatur der Zeit- und Realitätseben, in dem die Proben und Dreharbeiten zum Film im Film, die persönlichen Macken der Crew-Mitglieder und die zum Aufruhr drängende Ausbeutung der indigenen Bevölkerung kunstvoll ineinander fließen. Bittere Botschaft: Konfrontiert mit der sozialen Wirklichkeit, blamiert sich das Kino, auch wenn es noch so ambitioniert tut, bis auf die Knochen.

Wer Kolumbus zum Bösen stempelt, ist noch lange kein Vorkämpfer für das Gute.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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