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Midnight in Paris

Märchenhafte Zeitreise-Komödie, mit der sich Woody Allen vor der französischen Metropole und den zwanziger Jahren verneigt.

Frankreich 2011

Regie: Woody Allen
Mit: Owen Wilson, Rachel McAdams, Kathy Bates, Adrien Brody, Marion Cotillard
94 Min. - ab 0 Jahren
TAGBLATT-Wertung
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Spielplan
Herrenberg Kommunales Kino, VHS
Do, 24.05 : 20:00 Fr, 25.05 : 20:00

Interview: Woody Allen über die Kunst und das Schreiben, Vergangenheit und Zukunft

Manchen Menschen erscheint die Gegenwart grau und belanglos. Viel lieber würden sie sich in vergangenen, vermeintlich aufregenderen Epochen herumtreiben. Was in der Wirklichkeit ein unerfüllbarer Traum bleibt, ist im Kino schwuppdiwupp machbar – diesmal initiiert von Regie-Altstar Woody Allen.

Der Held seines 42. Films ist Gil (Owen Wilson), ein amerikanischer Schreiberling, der gerade mit seiner hübschen, aber oberflächlichen Braut (Rachel McAdams) in Paris weilt. Während die Zukünftige die üblichen Highlights abklappert oder mit wichtigtuerischen Landsleuten abhängt, schlendert Gil lieber in nostalgische Gedanken versunken durch die Stadt seiner Sehnsüchte. Und da passiert es: Schlag Mitternacht entführt ein Oldtimer den Träumer in sein Goldenes Zeitalter, die zwanziger Jahre, wo auch prompt die Großkopferten der multinationalen Pariser Bohème seinen Weg kreuzt: die Fitzgeralds, Picasso, Cole Porter & Co. Anfangs noch staunender Zaungast, operiert Gil schon bald auf Augenhöhe mit der Avantgarde: Salon-Matrone Gertrude Stein (Kathy Bates) will sich seinen halb fertigen Roman kritisch vorknöpfen, und die (fiktive) Picasso-Muse Adriana (Marion Cotillard) scheint sogar ihr Herz an den Szene-Neuling zu verlieren.

Eine seriöse Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur im Jazz-Age-Paris sollte man von diesem verträumten Zeitreise-Märchen keinesfalls erwarten. Auch die schlussendliche Pointe, dass es zu Hause – in der Gegenwart – doch am Schönsten ist, sprüht nicht gerade vor Originalität. Ohne allzu hohe Erwartungen ist der Film aber eine amüsante Sache; die Popstars der wilden Zwanziger sind gerade in ihrer Karikaturhaftigkeit (schließlich repräsentieren sie nicht sich selbst, sondern Gils etwas schlichte Fantasie) durchweg witzig geraten: Hemingway haut sturzbetrunken flotte Machosprüche heraus; Salvador Dalí schwadroniert ständig von Rhinozerossen; Zelda Fitzgerald steht schon mit einem Bein in der Psychiatrie. Um die zahlreichen

Anspielungen zu kapieren, reicht in der Regel solide Halbbildung; manchmal wäre aber auch ein Seitenblick ins Wikipedia hilfreich. Dass die Filmidee, die Gil beim Smalltalk einem verständnislos glotzenden und grummelnden Luis Buñuel unterbreitet, vierzig Jahre später als „Der Würgeengel“ Gestalt annahm, wissen wirklich nur eingefleischte Cineasten.

Amüsantes Kasperletheater mit den Kunst- und Literatur-Ikonen der Roaring Twenties.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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