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Inception

Thriller mit Leonardo DiCaprio als neuzeitlicher Industriespion, der in fremder Leute Träumen nach Geheimnissen schnüffelt.

USA 2010

Regie: Christopher Nolan
Mit: Leonardo DiCaprio, Ken Watanabe, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard
148 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Wer gut gemachte Action, Spannung und einen guten Plot erwartet, wird hier belohnt.

 Die Hacker der Zukunft kapern nicht mehr Computer, sondern Gehirne. Besonders aus dem heimlichen Eindringen in fremder Leute Träume lassen sich Informationen abzapfen, für die dubiose Kreise viel Geld zu zahlen bereit sind. Als Experte auf diesem diffizilen Spionage-Terrain ist Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ein gefragter Mann – allerdings auch ein sehr unglücklicher. Mit seiner Ehefrau ging der verkrachte Wissenschaftler früher exzessiv auf gemeinsame Traum-Trips in eine bessere Welt. Die Nebenwirkungen hatte er allerdings nicht bedacht: das Tohuwabohu aus Wirklichkeit und Imagination trieb seine Gattin in den Suizid, und Cobb wird seitdem als ihr angeblicher Mörder gejagt.

In dieser heiklen Lage macht ihm ein reicher japanischer Geschäftsmann ein verführerisches Angebot. Erstmals soll Cobb einen Gedanken nicht stehlen, sondern im Hirn eines anderen neu einpflanzen. Ziel des verwegenen Plans: Ein Konkurrent des Japaners soll dazu gebracht werden, seinen Konzern aus vermeintlich freiem Willen gegen die Wand zu fahren. Als Gegenleistung verspricht der einflussreiche Auftraggeber, dass Cobb rehabilitiert wird und zu seinen kleinen Kindern in ein bürgerliches Leben zurückkehren kann.

Das ist allerdings nur die Ausgangslage einer immer vertrackter werdenden Handlung, die sich Hollywoods Vorzeige-Experimentator Christopher Nolan („Memento“, „The Dark Knight“) ausgedacht hat. Denn um in die Traumwelt seines Opfers vorzudringen, muss Cobb auch sein eigenes, mit einem gewaltigen Schuldkomplex beladenes Unbewusstes mit ins Spiel bringen. So kommt ihm bei der Durchführung des Plans ständig das Gespenst seiner verstorbenen Frau in die Quere. Zum Glück begleitet ihn ein Dreamteam von Helferlein, das der Hirnspion zuvor in schönster Tradition des Rififi-Genres zusammengestellt hat.

Ob diese Geschichte wirklich so maßlos clever ist, wie sie von manchen Kritikern gemacht wird, sei hier mal bezweifelt. Oft wird die Sache mit immer neuen Twists und Wendungen unnötig verkompliziert: Manchmal führt ein im Traum begangener Mord zum Erwachen des Opfers, manchmal dagegen ins ewige Delirium. Auch lassen die sich immer wirrer ineinander verschlingenden Traum- und Wirklichkeitslevels das Interesse am Thriller-Geschehen zuweilen erlahmen.

Dafür ist die Bildgestaltung wie stets bei Nolan ein Genuss: Selten hat man Träume so glaubwürdig umgesetzt gesehen wie in diesen ausgeklügelten Arrangements aus realen und surrealen Bausteinen, ganz ohne den üblichen Verschwommenheits-Schnickschnack. Die durch die Medien gereichte Sequenz mit dem zur Schuhschachtel gefalteten Paris ist allerdings eine untypische Extravaganz.

Verblüffend auch, wie perfekt Nolan Versatzstücke des Blockbuster- und des Kunstkinos – hier Action à la James Bond, dort verspieltes Freudianisieren – miteinander verzwirbelt. So gesehen kommt man wie nach einem schaurigschönen, noch lange nachwirkenden Traum aus dem Kino.

Schön zu sehen, dass sich Hollywood und Intelligenz nicht ausschließen müssen.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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