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Micmacs - Uns gehört Paris!

In dem Puppenstuben-Krimi vom Amélie-Regisseur will ein Trupp kauziger Außenseiter fiesen Waffenhändlern das Handwerk legen.

Micmacs à tire-larigot
Frankreich 2009

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Mit: Dany Boon, Dominique Pinon, André Dussollier, Yolande Moreau
104 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

Lustig, aber etwas flach und vorhersebar ...

 Die neue Komödie von Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“) kommt aus dem Geist des Comic. Die eckigen Bewegungen von Bazil (mit weichem -s wie Reseda, nicht mit -z wie Bazille!), wenn er unter Stress steht, könnten vom kunstvoll abgesetzten Strich eines Episoden-Zeichners inspiriert sein. Der Film findet eine eigene Ursache für diese körperliche Beeinträchtigung: Während in seiner Videothek irgendwo in Paris normalerweise nicht viel Aufregenderes passiert, als was Krimiklassiker in Schwarz-Weiß zeigen, trifft Bazil (Dany Boon) eines Abends doch glatt eine Kugel von der Straße, wo reale Verbrecher und die Polizei aufeinander treffen.

Abrupt wird er aus den nostalgischen Träumereien mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall gerissen und muss fortan mit dem Fremdkörper im Kopf leben. Als er aus dem Krankenhaus kommt, ist seine Wohnung geräumt, und sein Job ist auch weg. Dafür hat Bazil eine Spur. Auf der Patronenhülse, die zu seiner Kugel gehörte, steht ein Name, der ihn alarmiert. Es ist dieselbe Firma, die den Tod seines Vaters als Minenräumer zu verantworten hatte. Auch solche Pointen kennt man aus dem Comic.

Bevor Bazil zum großen Aufräumen ansetzen kann, braucht er dringend Helfer. Weil er sich auf den Pariser Straßen recht geschickt über Wasser hält, fällt er einem erfahrenen Schicksalsgenossen auf, der ihn zu den Micmacs mitnimmt. So nennt sich eine Gruppe sympathischer Außenseiter, die sich auf einem Schrottplatz ein skurril-gemütliches Heim eingerichtet haben. Wie im Zirkus (oder im Comic) finden sich unter ihnen typische Rummelplatz-Figuren wie die Schlangenfrau oder der Mann, der sich aus einer Kanone schießen lässt. Die Kolorierung in „Amélie“ und „Mathilde“-Sepia (Kamera: Tetsuo Nagata) erinnert ebenfalls an eine Retro-Bildergeschichte. Dass an einer bestimmten Hausecke das Filmplakat für „Micmacs“ immer wieder kurz aufblitzt, passt in dieses Muster.

Und wie Dagobert Duck in Entenhausen als Finanzhai aller Finanzhaie posiert, so stehen hier zwei Rüstungsproduzenten für ihren gesamten zwielichtigen Industriezweig. Einen von ihnen spielt übrigens der sonst auf Altmeister Alain Resnais abonnierte André Dussolier. Wie das ungleiche Kräftemessen im „Amélie“-Universum ausgehen dürfte, ist unschwer zu erraten.

Nicht ganz wie im wirklichen Leben: Die besseren Menschen gewinnen.

Flashplayer benötigt.

Verleihinfo


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