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She, a Chinese

Preisgekröntes Roadmovie über eine junge Chinesin, die im globalen Dorf die Liebe und einen Platz im Leben sucht.

GB 2009

Regie: Guo Xiaolu
Mit: Huang Lu, Wie Yi Bo, Geoffrey Hutchings
98 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung

 Die junge Chinesin Li Mei (Huang Lu) lässt sich nicht vereinnahmen. Sie hört am liebsten westlichen Indie-Rock und besitzt die ganze Coolness der großen Stadt, als sie noch in einem Billardsalon im ländlichen China jobbt. Die rasant in den Himmel wachsenden Hochhäuser sind schon verdammt nahe gerückt. Der schmale alte Mann, der seine Kuh über das verbliebene Grasland treibt, gehört zu einer untergehenden Zeit.

Regisseurin Xiaolu Guo zeigt Urbanität als vage Sehnsucht, die sich an den Widersprüchen zwischen archaischen Traditionen und spätkapitalistischer Modernität bricht. Meis Mutter mag eine arrangierte Heirat planen. Die Tochter registriert es gleichmütig wie die frisch geschlachtete Ente, die von einem Augenblick auf den andern zum leblosen Objekt wird, und verschwindet in die nächste Großstadt. Auch in der neuen Millionenstadt Chongking bewahrt sich Mei ihre Widerständigkeit. Es ist sofort klar, dass sie nicht Teil des Milieus wird im Love Salon, der natürlich mehr anbietet als Frisuren. Sie wählt sich den Geliebten selbst, als sie beobachtet, wie sich der Hitman Spikey den biegsamen Oberkörper wäscht.

Die perfekt komponierten Bilder (Kamera: Zilla Bowes) messen jedem Detail Bedeutung bei – als nähmen sie sich das strenge Formbewusstsein der Kalligraphie zum Vorbild: Das Löwenkopfornament an Spikeys Tür, seine geschmeidigen Bewegungen, als er mit Mei schläft. Dazwischen schieben sich schrottige Vorzeichen des Westens: ausgediente Plastikflaschen, das Werbefoto einer teuren Uhr in einer alten Illustrierten.

Mei versteht diese Codes noch nicht, als sie bei einem Trip nach London beschließt, nicht mehr nach China zurückzukehren. Nun ist es eine wacklige Handkamera, die ihr nach den Greenwich Hill hinunterstolpert.

London hält für Habenichtse wie Mei nur eine weitere Desillusionierung bereit. Wieder ordnet sich ihr Leben nur auf Zeit, über ihre Beziehungen zu Männern. Am Ende ist sie so weit wie am Anfang: Ihr bleibt nichts, als sich treiben zu lassen am Rand der großen Stadt. Das ungewöhnliche Roadmovie holte 2009 in Locarno den Goldenen Leoparden.

Für die globalen Habenichtse gibt es keinen Ort: weder im Osten noch im Westen.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann



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Schiefe Bilder, Dunkelheit, Dreck und die Stellen aus dem Faust im Zitat, die jeder kennt - platter geht's nicht. Eine schräge Kameraführung macht noch keinen guten Film.


kinogängerin über Faust

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