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Verblendung (2009)

In der Verfilmung von Stieg Larssons Kultkrimi enthüllen ein Journalist und eine Hackerin ein grausames Familiengeheimnis.

Män som hatar kvinnor
Schweden 2009

Regie: Niels Arden Oplev
Mit: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Sven-Bertil Taube
152 Min. - ab 16 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

„Verblendung“ ist die elegante Verdichtung von 700 Seiten Buch bei gleichzeitig irrwitziger Detailtreue gegenüber der Romanvorlage. Diese Quadratur des Kreises gelingt Regisseur Niels Arden Oplev zwar nicht durchgängig, aber doch so gut, dass in 150 Minuten keine Langeweile aufkommt. Neben einem packenden Thriller bekommt man noch großes Gefühlskino obendrauf, in kühlen Bildern erzählt.

Die Ausgangslage ist konventionell: Ein ungleiches Ermittlerpaar soll den 50 Jahre zurückliegenden Mord an einem Mädchen, Harriet Vanger, aufklären. Dabei trifft Mikael Blomkvist, ein unbestechlicher Journalist Ende vierzig, auf Lisbeth Salander, Göre und Hackerin mit dunkler Vergangenheit und Asperger-Syndrom. Der moralinsaure Drögling Blomqvist verblasst umgehend neben der finsteren Fee – ungeheuer lebensnah verkörpert von Noomi Rapace.

Lisbeth Salanders Geschichte gehört in diesem Krimi zu einem der spannenden Nebenstränge. Und das muss verraten werden: Das taffe Mädel rächt sich an ihrem fiesen, vergewaltigenden rechtlichen Vormund, indem sie ihm sein Verbrechen auf den Bauch tätowiert – nachdem sie ihn ihrerseits vergewaltigt hat. Salander nimmt es genau bei Abrechnungen. Gewalt gegen Frauen ist auch der Kern der eigentlichen Kriminalgeschichte, weshalb man sich fragen kann, warum nicht der schwedische Originaltitel „Männer, die Frauen hassen“ übernommen wurde. Aber auch mit „Verblendung“ wird man prächtig unterhalten.

Etwas Wermut sei dennoch geträufelt: Wer zu den 15 Millionen Lesern zählt, die Stieg Larssons Mega-Bestseller verschlungen haben, wird über manche Auslassung des Regisseurs großzügiger hinwegsehen, als Zuschauer, die mit dem vertrackten Plot nicht vertraut sind. Für letztere kommt manche Wendung reichlich unvermittelt. Im Grunde werden dort die Schwächen der Vorlage verstärkt. Der Autor hatte keinen erzählerischen Umweg gescheut, eine krude Konstruktion zu kaschieren. Doch diese Zeit hat der Film nicht.

Um so mehr erstaunt, dass er sich am Ende horrend viel Zeit lässt: Eigentlich sind die Mordfälle gelöst. Bleibt bloß noch die Ausgangsfrage: Was geschah wirklich mit Harriet Vanger? Die Auflösung wird umständlich nachgereicht. Das ist schon in der Vorlage nicht glücklich, im Film nervt es. Vielleicht hätte an dieser Stelle weniger Werktreue mehr gebracht.

Flashplayer benötigt.

Kathrin Wesely


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