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Taking Woodstock

Nostalgisch, ironisch, hintergründig: Ang Lee erzählt meisterhaft eine Randgeschichte vom berühmtesten aller Rockfestivals.

USA 2009

Regie: Ang Lee
Mit: Demetri Martin, Imelda Staunton, Henry Goodman, Emile Hirsch, Jeffrey Dean Morgan
110 Min. - ab 6 Jahren
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Über Woodstock, das berühmteste aller Rockfestivals, scheint seit langem alles gesagt. So wurden beim Medien-Ballyhoo zum 40-jährigen Jubiläum überwiegend die ollen Kamellen von Love und Peace wiedergekäut. Oder – auch nichts Neues – zum fröhlichen Hippie-Bashing geblasen.

Eine der wenigen Ausnahmen vom Einerlei ist der neue Film von Ang Lee („Brokeback Mountain“). Der Kunstgriff des aus Taiwan stammenden Regisseurs: Das Festival im engeren Sinn spielt in seiner Erzählung nur eine Nebenrolle. In einem einzigen magischen Moment des Films ist von Ferne die in Glitzerlicht getauchte Bühne zu sehen. Der Soundtrack besteht aus Songs, die größtenteils nicht vom Woodstock-Dokumentarfilm oder von den Platten bekannt sind.

Den Stoff für seinen Geburtstags-Gruß hat Ang Lee an der Peripherie des Spektakels gesucht und im autobiografischen Roman Elliot Tibers (alias Teichberg) gefunden. Im Woodstock-Jahr 1969 würde sich dieser kunstsinnige junge Mann (Newcomer Demetri Martin) am liebsten ins Getümmel des nahen Big Apple stürzen. Stattdessen hilft der Twen seinen Eltern, armen jüdischen Einwanderern, pflichtschuldig beim Managen eines schäbigen Motels im Wald-und-Wiesen-Idyll des New Yorker Hinterlands.

Als er in der Zeitung liest, dass die Veranstalter eines Rockkonzerts von ihrem ursprünglichen Gelände (dem echten Woodstock) verjagt wurden, wittert er seine Chance und bietet den langhaarigen Typen das elterliche Grundstück als Ausweichterrain an. Das erweist sich zwar als unbrauchbarer Sumpf, doch dafür springt der benachbarte Farmer Max Yasgur mit seinen Viehweiden in die Bresche. Die Teichbergs werden immerhin mit der Kommandozentrale des Festivals entschädigt – und mit der Invasion der Hippies, die im und rund ums Motel für bunten Trubel und glänzende Geschäfte sorgen.

Für eine dramatische Handlung ist das natürlich zu wenig. Stattdessen lässt sich der Film mit seinem Protagonisten zwanglos durch die Tage vor und während des Festivals treiben – und lenkt den Blick auf die kleinen, aber vielsagenden Begebenheiten am Rande.

Wenn Woodstock-Mastermind Michael Lang (Jonathan Groff) im Hubschrauber und mit einem Schwadron Anwälten im Schlepptau zu den Vertrags-Verhandlungen anrückt, ist der Mythos vom gegenkulturellen „Alle haben sich lieb“-Event in Windeseile entsorgt. Und erstrahlt kurz darauf wieder in altem Glanz, wenn sich der aufs Knüppeln eingeschworene Polizist von der Stimmung berauscht selbst zum Blumenkind wandelt. All diese hintergründigen, ironischen und liebevoll nostalgischen Eindrücke verdichten sich zu einem facettenreichen Gesamtbild weniger des Festivals, als der gesellschaftlichen Umstände, unter denen es stattfand.

Dazu zählt auch Imelda Stauntons bemerkenswertes Porträt von Elliots verbitterter, vom Holocaust traumatisierter Mutter. Deren bizarre Nazi-Vergleiche und Vorahnungen erscheinen einen halben Film lang bloß grotesk – bis sich der Hass einiger Landbewohner auf die Gammler in antisemitischen Attacken gegen deren vermeintliche Verbündete, die Teichbergs und Yasgurs, entlädt.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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