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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

Barbara Sukowa spielt die mittelalterliche Äbtissin, Naturheilkundlerin und Komponistin, deren Fähigkeiten das Misstrauen der Kirche erregen.

Deutschland 2009

Regie: Margarethe von Trotta
Mit: Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held
111 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
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Der Mond am nächtlichen Himmel. Ein Mann geißelt seinen blutenden Rücken. Diese beiden Bilder stellt Regisseurin Margarethe von Trotta an den Anfang: die mächtige Natur und der Kampf gegen sie. In einer Zeit der Kreuzzüge und Kasteiungen suchte Hildegard von Bingen einen Weg zurück: in die paradiesische Einheit des Menschen mit der Schöpfung.

Für ihr Drehbuch hat von Trotta gründlich recherchiert. Auch in theologischer Hinsicht kann man dem Film keine Oberflächlichkeit vorwerfen. Es ist ein redlicher Versuch, der historischen Figur gerecht zu werden. Sie wird weder einseitig zur Heiligen noch zur Rebellin verklärt, sondern in ihrer menschlichen Ambivalenz gezeigt: weise Mystikerin und Visionärin, aber auch Seherin der Reichen und Mächtigen; eine machtbewusste Strategin und nicht frei von „Ehrsucht“.

Barbara Sukowa (Hildegard) spielt all diese Seiten aus, sogar Starrsinn und Trotz, auch wenn die Figur erst mit zunehmender Bedrängnis lebendiger wird. Ein kurzer Höhepunkt ist die Aufführung von Hildegards Geistlichem Spiel „Ordo Virtutum“, von der ausgebildeten Sängerin Sukowa selbst gesungen.

Leider bleibt der Film unter dem Potenzial dieser außergewöhnlichen Lebensgeschichte – und auch unter seinen eigenen Möglichkeiten. Nicht nur, weil er unentschieden zwischen dem Anspruch auf Authentizität und ästhetischem Märchen-Mittelalter mit porentief weißen Umhängen schwankt. Dabei gelingen schöne Tableaus mit satten Niederländer-Farben: die Nonnen im herbstlichen Kräutergarten, das Kloster über dem Fluss (gedreht wurde in Maulbronn und Eberbach).

Aber was einem Großteil der Darsteller fehlt, wird deutlich an der grandiosen Hannah Herzsprung als Hildegards Schützling Richardis von Stade: glaubhafte Frömmigkeit.

Interview: Barbara Sukowa über die Frau zwischen Kräutern und Klöstern

Flashplayer benötigt.

Achim Stricker


Zuletzt Kommentiert

... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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