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Tournée

Mit einer freizügigen Burlesk-Show hofft Mathieu Amalric als abgehalfterer Bühnen-Impresario auf ein Comeback im Showbiz.

Frankreich 2010

Regie: Mathieu Amalric
Mit: Mathieu Amalric, Mimi Le Meaux, Dirty Martini, Roky Roulette
111 Min. - ab 12 Jahren
TAGBLATT-Wertung
    Leser-Wertung
 

 Der zwielichtige, irrlichternde Glanz des Showbiz liegt über diesem Film, sobald sich die dämmerige Garderobe von Mimi le Meaux (Miranda Colclasure) öffnet. Die Blondine ist die Glamourlady mit dem dunkelvioletten Lippenstift, wie ein samtiges Blütenblatt. Dabei ist die ganz große Toilette für Mimi, Julie oder Dirty Martini, die sich selbst spielen, Camp, Zitat und Persiflage wie die riesigen Brüste.

Trotz der hochartifiziellen Inszenierung verkörpern sie die Versprechen des einstigen, vermeintlich authentischen Showgeschäfts, das die Oberflächen des Fernsehens und erst recht die Distanzierungsmechanismen des Computers gründlich verdrängt haben. „Das Fernsehen ist auch ein Schutz“, wird Mimi eine jüngere Kollegin einmal trösten, die dem ersten TV-Auftrag noch nicht traut. „Im Fernsehen darfst du deine Titten gar nicht zeigen.“

Im scheinbar zeitgemäßen TV-Business ist Joachim Zand (Mathieu Amalric hat sich für die Rolle einen Schnauzbart verpasst) so gründlich pleite gegangen, dass er das Land verlassen musste. Nun ist er einerseits der Impresario der Glitzer-Truppe mit dem nostalgischen 30er Jahre-Touch, gleich ob sie auf der Bühne stehen oder bloß in einer öden Hotellounge warten.

Andererseits ist Joachim unverkennbar ein Zeitgenosse, nervös und spillerig, beinahe zu schwächlich für die widersprüchlichen Anforderungen, zwischen denen er schier zerrissen wird. Besonders ungeschickt erweist er sich als Vater seiner beiden kleinen Söhne, die er für ein Wochenende abholt. Dass er dem Jüngsten beinahe den Flipper-Erfolg verdirbt, ist nur eines zahllosen Fettnäpfchen, in die er unweigerlich tritt.

Paris ist fern. Das Leben erscheint als Unterwegssein in schäbigen Provisorien, die immer mal wieder einen Abend einspielen. Ein Flirt an der Tankstelle ist das maximale Glücksversprechen. Der kaleidoskopähnliche Streifen ist auch ein Roadmovie durch die französische Provinz. Der blaue Kubus einer Disco in irgendeinem Industriegebiet ist mindestens ebenso gekonnt inszeniert – Wim Wenders’ Amerikabilder lassen grüßen – wie die Erotik der Diven. In Cannes wurde „Tournée“ 2010 mit dem Preis für die Beste Regie geehrt.

Unverwüstlicher Loser setzt die Traumpotenziale im Erotik-Glamour frei.

Flashplayer benötigt.

Dorothee Hermann


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... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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