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Le Havre

Märchenhaftes Flüchtlingsdrama am Schauplatz Nordfrankreich vom finnischen Kultregisseur Aki Kaurismäki.

Frankreich 2011

Regie: Aki Kaurismäki
Mit: André Wilms, Kati Outinen, Blondin Miguel, Laika, Jean-Pierre Darroussin
93 Min. - ab 0 Jahren
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  Die Gegenwart ist dem finnischen Regisseur Aki Kaurismäki offenbar ein Gräuel. So heißen die Helden seines neuen Films wohl nicht ohne Grund Marx, Monet, Arletty (französischer Filmstar der Vierziger) oder Laika (sowjetischer Weltraumhund der Fünfziger). Die Männer tragen Anzüge im Humphrey-Bogart-Stil, eingekauft wird im Tante-Emma-Laden, und in den schummrigen Kaschemmen stehen Musikboxen, die obskure Chansons dudeln.

Der Schauplatz Le Havre, dieser in Wahrheit hektische Knotenpunkt der globalisierten Wirtschaft, sieht über weite Strecken so heimelig aus wie in Marcel Carnés Klassiker „Hafen im Nebel“ von 1938. Computer und Internet scheinen nicht zu existieren, Handys benutzen nur die Bösen. Und war beruflich ganz unten angekommen ist, arbeitet nicht etwa im Callcenter, sondern als Schuhputzer.

Trotzdem spielt die Geschichte des Films im Hier und Heute. Wäre sie allerdings realistisch, würde der Afrikanerjunge Idrissa, der als Containerflüchtling auf dem Weg zu seiner in London lebenden Mutter versehentlich in Nordfrankreich gestrandet ist, schnell von der Polizei geschnappt und in seine Heimat zurückverfrachtet werden. Oder, wie sein Pendant im Film „Welcome“, beim Versuch, über den Ärmelkanal zu schwimmen, krepieren.

Bei Kaurismäki kommt alles anders. Der betagte Schuhputzer Marcel (André Wilms), der für den Finnen schon mal als Bohèmian in Paris im Einsatz war, versteckt den Buben in seiner kargen Hütte. Die Nachbarn in seinem Kleine-Leute- Viertel helfen nach Kräften, die Polizei an der Nase herumzuführen, und alle tragen ihr Scherflein dazu bei, die illegale Überfahrt nach England zu ermöglichen. Warum sie das tun, ist dem Regisseur kein Wort der Begründung wert. Im Wertekanon seiner warmherzigen Käuze ist es einfach das Selbstverständlichste der Welt, frei nach Erich Kästners Devise: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Man darf „Le Havre“ also mit Fug ein Märchen nennen. Oder eine Utopie, die ihre Haltung allerdings aus der Vergangenheit bezieht, als die Verdammten dieser Erde ihr Heil noch in der Solidarität gesucht haben, und nicht darin, sich im alltäglichen Konkurrenzkampf gegenseitig das Leben schwer zu machen.

Ob das, wie ein Kritiker schrieb, ein Beweis für die Veränderbarkeit maroder Zustände ist, sei dahingestellt. Die wirklichen Verhältnisse sind vermutlich doch komplizierter, als dass man einfach beschließen könnte, fortan gut zu sein. Trotzdem ist es sympathisch, wenn einer wie Kaurismäki ohne jede Umstandskrämerei die Fahne des simplen menschlichen Anstands hoch hält.

Und wem das alles zu dick oder zu dünn aufgetragen ist, der kann in diesem wunderhübsch ausstaffierten Museum einer vielleicht moralisch besseren, zumindest aber ästhetisch reizvolleren Vergangenheit trotzdem eine schönen Kinoabend verleben.

Flashplayer benötigt.

Klaus-Peter Eichele


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... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...


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