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Buchholz bei der Berlinale

Tübinger Filmtage-Chef als Schreibtisch-Nazi auf der Leinwand

Sichten und gesichtet werden: Der Schauspieler und Leiter der Französischen Filmtage, Christopher Buchholz, ist auf der Berlinale an mehreren Fronten im Einsatz.

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Klaus-Peter Eichele
Artikelbild: Tübinger Filmtage-Chef als Schreibtisch-Nazi auf der Leinwand Christopher Buchholz als Wehrmachts-Nazi in Volker Schlöndorffs "Das Meer am Morgen".

Gäbe es einen Extra-Bären für die teuflischste Filmfigur - der von Buchholz gespielte Wehrmachtsoffizier Kristucat wäre ein heißer Kandidat. Der Kreiskommandant von Nantes war während der deutschen Besatzung Frankreichs im zweiten Weltkrieg maßgeblich an einem Massenmord beteiligt. Kristucat koordinierte im Herbst 1941 in Nantes die Erschießung von 50 unschuldigen Franzosen - als Vergeltung für ein Attentat des kommunistischen Widerstands auf einen deutschen Offizier.

"Das Meer am Morgen" heißt die französisch-deutsche Produktion von Altmeister Volker Schlöndorff, die die Ereignisse zwischen dem Anschlag und der Hinrichtung der Geiseln minutiös nachzeichnet. Unter der Vielzahl von Protagonisten, darunter auch der damals in Paris stationierte Schriftsteller Ernst Jünger, ist Kristucat einer der eindrücklichsten. Für Buchholz repräsentiert er den typischen Schreibtischtäter, der gewissenlos Befehle ausführt, sich beim Morden aber möglichst nicht selbst die Hände schmutzig machen will. So gibt er zwar vor, dass vor allem Kommunisten und Juden zu erschießen seien - die namentliche Bestückung der Todesliste überlässt er aber französischen Kollaborateuren.

Nach seiner Premiere auf der Berlinale wird der Film bereits im März auf Arte im Fernsehen ausgestrahlt. In Frankreich dürfte er auf deutlich größeres Interesse stoßen als in Deutschland - dort hat das Massaker bis heute höchsten Symbolwert. Als besonders abscheulich gilt, dass eines der Mordopfer ein 17-jähriger Junge war. Nach diesem Guy Môquet ist in Paris eine Metrostation benannt; sein Abschiedsbrief ist Schullektüre.

Artikelbild: Tübinger Filmtage-Chef als Schreibtisch-Nazi auf der Leinwand "L'enfant d'en haut" von Ursula Meier

Häufiger als auf der Leinwand sieht man Buchholz bei der Berlinale allerdings davor, wo er - wie auch ein halbes Dutzend weiterer Filmtage-Mitarbeiter - französischsprachige Filme für das Tübinger Festival im November sichtet. Am meisten beeindruckt hat ihn bisher der Schweizer Bären-Favorit "L'enfant d'en haut" von Ursula Meier, nach dem auch der Tübinger Arsenal-Verleih seine Fühler ausgestreckt hat.

Mit ihrem Debütfilm Home hat Meier 2010 mehrere Preise bei den Französischen Filmtagen gewonnen. In ihrem Zweitling erzählt sie von einem anscheinend elternlosen 13-jährigen Streuner, der sich in einem Wintersportresort mit dem Klau von Skiern über Wasser hält. Seine angebliche Schwester, mit der er in einer Sozialwohnung zusammenlebt, wird von Frankreichs neuem Jung-Superstar Léa Seydoux ("Midnight in Paris") gespielt.

Dass die Überfliegerin im Herbst nach Tübingen kommt, ist aber eher unwahrscheinlich. Als Vorleserin Marie Antoinettes im Historienfilm "Les Adieux de la Reine", der ebenfalls im Berlinale-Wettbewerb steht, findet sie Buchholz anders als in "L'enfant d'en haut" nicht sehr beeindruckend.

17.02.2012 - 16:33 Uhr | geändert: 21.02.2012 - 15:38 Uhr

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