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Rettet das Arsenal - aber wie?

Tübingens traditionsreiches Programmkino steckt in der Dauerkrise

Dem Arsenal geht es schlecht, das Arsenal macht bald dicht! Dieser Alarmruf ist in den letzten 20 Jahren öfter mal erschollen - und wieder verhallt. Doch diesmal könnte er ernst gemeint sein. 

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Klaus-Peter Eichele
Trotz eines leichten Aufschwungs 2011 operieren Baden-Württembergs ältestes Programmkino und sein Zwilling Atelier nach glaubwürdigen Auskünften seit Jahren unterhalb der Rentabilität. Kamen in der Glanzzeit in den neunziger Jahren bis zu 75000 Zuschauer jährlich, so ist es heute noch die Hälfte. Daher scheint es logisch, wenn Betreiber Stefan Paul, der auch nicht mehr der jüngste ist, eine letzte Frist von einem Jahr setzt, um das Ruder herumzureißen. Falls es schiefgeht, will er aufgeben.

Aber wäre das so schlimm? Zugegeben: Es gab Zeiten, da wurde am Stadtgraben und am Haagtor so unauffällig Kinoprogramm gemacht, dass man das Verschwinden der beiden Kleinkinos kaum bemerkt hätte. Doch das hat sich mit der umstrittenen Berufung des früheren Filmtage-Leiters Dieter Betz zum Programm-Macher fundamental geändert. Seitdem wird im Arsenal und Atelier Kinokultur wieder ganz groß geschrieben. Der Spielplan ist bunt und lebendig wie in alten Zeiten, was auch der baden-württembergischen Filmförderung nicht verborgen geblieben ist. Sie hat dem Tandem jüngst ihren Spitzenpreis fürs beste Kino im Südwesten zuerkannt. Doch um wirtschaftlich zu überleben, müsste im Arsenal auch ab und zu ein kommerzieller Abräumer aus dem Arthaus-Sektor - wie derzeit "Ziemlich beste Freunde" - aufs Tablett kommen. Die reserviert sich aber kraft Marktmacht und größeren Sälen ausnahmslos Volker Lamm vom Kino Museum.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma? Dass Lamm, um die Konkurrenz über Wasser zu halten, von sich aus ein paar Rosinen hergibt, wäre von einem Unternehmer wohl zu viel verlangt. Auch er hatte im vergangenen Jahrzehnt erhebliche Einbrüche, vor allem bei der jungen Mainstream-Kundschaft,  zu verkraften, weshalb er mehr denn je auf attraktive Arthaus-Filme angewiesen ist. Die derzeitige Arsenal-Strategie, mit einem abwechslungsreichen Programm unterhalb der Kassenknüller-Schwelle, ein zusätzliches Publikum heranzuziehen, dürfte in einer kleinen Stadt wie Tübingen schnell an Grenzen stoßen. Bleibt der Ruf nach öffentlichem Zuschuss. "Wir sind ja kein reines Wirtschaftsunternehmen, sondern auch eine kulturelle Institution", sagt Stefan Paul, und hat damit nicht ganz unrecht. In anderen Städten heißen solche Orte Kommunales Kino und werden mit einigem Steuergeld gepäppelt.
11.01.2012 - 21:33 Uhr | geändert: 24.01.2012 - 15:48 Uhr

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