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Im knallroten Designer-Sarg

Pia Strietmann über ihre Gratwanderung zwischen Authentizität und absurdem Humor: "Tage, die bleiben"

Der knallrote Sarg sieht aus wie ein Ufo, denn Regisseurin Pia Strietmann hält nichts davon, wenn Filme über Trauer bleischwer daherkommen. Vor kurzem stellte die 33-Jährige ihre Tragikomödie „Tage, die bleiben“ im Kino Arsenal vor.

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DOROTHEE HERMANN

Das Auto mit der nächtlichen Fahrerin überschlägt sich in Zeitlupe. „Aber es ist eine friedliche Situation, sie hat keine Schmerzen“, heißt es im Drehbuch. „Tage, die bleiben“ ist Pia Strietmanns erster Langfilm. Als ihr Vater vor wenigen Jahren starb, fiel sie in „einen bisher nie gekannten Raum. Es ist so ein weißer Fleck im Leben. Man ist in dieser Zeit nicht Herr seiner Gefühle.“ Gleichzeitig erlebte sie in den Reaktionen von außen „eine ungeheure Tabuisierung“.

Im Film gerät mit dem Tod der Mutter (Lena Stolze) das Leben der Geschwister Lars (Max Riemelt) und Elaine (Mathilde Bundschuh) heftig durcheinander. Der Vater (Götz Schubert) verschwindet zu seiner Geliebten, und alle drei sind einander noch fremder als zuvor.

„Man gilt noch als Familie, obwohl man schon lange keine mehr ist“, umschrieb die Regisseurin die Situation bei der gut besuchten Preview im Kino Arsenal. Im ihrem Film scheint der Schock des plötzlichen Todes die Konfliktlinien untereinander noch zu schärfen. Manches hat Strietmann bewusst überspitzt, denn sie sieht ihr Debüt als „Gratwanderung zwischen Authentizität und absurdem Humor“.

Die 16-jährige Elaine will ein Tattoo (das ihr die Mutter immer verboten hatte) und schreibt tolle Aufsätze. Ihre verquasselte Freundin Merle wirkt auf den ersten Blick grob egozentrisch. Für die Filmemacherin hat sie noch eine andere Seite: „Es ist unglaublich schwierig für die beste Freundin, das Richtige zu sagen.“

Pia StrietmannBild: Agentur Pia StrietmannBild: Agentur

Strietmann bringt ihre Figuren in unerwartete Situationen, in denen Außenstehende eher die angemessene Geste finden. Zwischen scheinbar vertrautesten Menschen entsteht nur Stress. „Es gibt kein Richtig und kein Falsch bei der Trauer“, ist die Erfahrung der Regisseurin.

Der knallrote Designer-Sarg ist nicht etwa eine Spezial-Anfertigung fürs Kino. Ein Freund der Regisseurin hat ihn entworfen. Er fand: „Alles wird aerodynamischer, nur Särge sehen immer noch aus wie vor 20 Jahren.“ Wie sie selbst habe er den Eindruck gehabt, dass Formen der Trauer, des Umgangs mit dem Tod stärker auf gesellschaftliche Veränderungen eingehen sollten.

Für die Dreharbeiten ist Pia Strietmann ins heimische Münsterland zurückgekehrt. Sie hat die Gegend mit ihren emotional eher unterkühlten Bewohnern „fluchtartig verlassen“ – wie im Film der große Bruder Lars, der in Berlin Schauspieler geworden ist. Doch den Ausnahmezustand des Trauerns wollte Strietmann an Orten darstellen, die sie kannte. Obwohl sie seit 15 Jahren in München lebt, wo sie an der Hochschule für Fernsehen und Film studierte, verstehe sie „das bayerische Verhältnis zur Trauer“ noch nicht. In Regensburg zu drehen, hätte sie sich nicht vorstellen können.

Bereits in früheren Kurzfilmen war sie „Familiendynamiken“ auf der Spur. Sie habe immer schon gern Geschichten geschrieben, sagte Strietmann, sich dann aber für den „Film als Ausdrucksform“ entschieden – weil sich Emotionen darin „kompakter“ als in Büchern ausdrücken ließen. Provozieren wolle sie mit ihren Filmen nicht. „Ich will mit meinen Filmen unterhalten.“

Info: „Tage, die bleiben“ läuft vom morgigen Donnerstag an um 17 Uhr im Kino Atelier.

01.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 21.02.2012 - 15:35 Uhr

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