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Sandrine Bonnaire hat die Französischen Filmtage eröffnet

Mit dem „Baby“ aus Paris

Lange musste sich das Tübinger Publikum gedulden, bis wieder ein Star von Weltgeltung den Französischen Filmtagen seine Aufwartung machte. Jetzt war es wieder soweit: Sandrine Bonnaire kam zum Festival-Auftakt ins Kino Museum.

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KLAUS-PETER EICHELE

 Schon am Nachmittag schimmerte durch, dass sich etwas Glamouröses in der Stadt zusammenbraute. Eine Handvoll Kameraleute, Fotografen und Reporter lauerte vor dem Hotel Krone, um die Diva bei ihrer Ankunft in der Unistadt abzupassen. Kurz vor vier rollte die von den Filmtagen gecharterte Limousine heran, in der die 42-Jährige vom Stuttgarter Bahnhof nach Tübingen chauffiert wurde. Umweltbewusst war Bonnaire gemeinsam mit Caroline Bottaro, der Regisseurin des Premieren-Films „Joueuse“, im TGV von Paris ins Schwabenland gereist. Ohne jede Allüre ließ sie sich auch gleich zum Kurz-Interview fürs Fernsehen auf die Neckarbrücke schleppen.

Als nahbarer Star zeigte sich Bonnaire auch ein paar Stunden später beim Gala-Auftakt des Festivals im Kino Museum, dessen 630 Plätze schon Tage im voraus an geladene und zahlende Gäste vergeben waren. Mutige konnten sich ohne weiteres zum Smalltalk neben die von privaten und professionellen Fotografen umzingelte Schauspielerin gesellen. Ein Mehr an Prominenz als sonst war im vorfreudigen Foyer-Gewusel jedoch nicht auszumachen.

Kaum fünf Minuten in Tübingen und schon von den Medien umzingelt: Sandrine Bonnaire beim ... Kaum fünf Minuten in Tübingen und schon von den Medien umzingelt: Sandrine Bonnaire beim Fernsehinterview auf der Neckarbrücke. Bild: Sommer

Das Land Baden-Württemberg – immerhin der Hauptsponsor der Filmtage – schickte mit Ministerialdirektor und Sportfunktionär Klaus Tappeser einmal mehr einen aus der zweiten politischen Reihe in den Grußwort-Ring. Dort outete sich der Ex-OB von Rottenburg im Plausch mit Moderatorin Stefanie Schneider als regelmäßiger Kinogänger – „immer an Weihnachten mit der ganzen Familie“. Dagegen bot die Stadt Tübingen – auch das ist Tradition – ihren eigenen Polit- und teilzeitigen Filmstar („Das Palmer-Prinzip“) Boris Palmer zur Begrüßung auf.

Französische Filmtage Sandrine Bonnaire Die Festivalleiterin Andrea Wenze (links) begrüßt Sandrine Bonnaire vor dem Tübinger Hotel Krone. In der Mitte die Regisseurin Caroline Botaro. Sommer

Ungeachtet der Veräppelung von Seiten Schneiders („‘Auf der Mühlstraße ist die Hölle los‘, ‚La strada – Making Of‘ oder ‚Via mala‘ – welcher Filmtitel darf‘s denn sein?“) schwörte Tübingens Rathaus-Chef den Filmtagen auch in Wirtschaftkrisen-Zeiten die Treue: „Ich drohe fürs kommende Jahr verschärfte Unterstützung an.“ Zum Dank durfte er Bonnaire und Regisseurin Bottaro weiße Rosen überreichen.

Französische Filmtage Sandrine Bonnaire Ein Plausch vor der Eröffnung der Französischen Filmtage zwischen Tübingens OB Palmer (links), Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire und Regisseurin Caroline Botaro. Sommer

Die im kleinen Schwarzen mit mädchenhaften Zöpfen die Museums-Bühne zierende Actrice bekannte, dass sie nur noch eine verschwommene Erinnerung an ihren ersten Tübingen-Besuch vor 16 Jahren habe. „Ich weiß noch, dass ich damals schwanger war – und heute bringe ich Ihnen mein neues Baby mit“. Gemeint war der Eröffnungsfilm „Joueuse“, den man trotz dieser Fürsorge wohl nicht zu den großen Bonnaire-Filmen rechnen darf. Ganz sicher aber zu den typischen. Wieder einmal spielt sie eine Frau aus einfachen Verhältnissen, der Wundersames widerfährt.

Mamas Rat: Nicht immer nur die Hausfrau

 

Französische Filmtage Sandrine Bonnaire Voll war's bei der Eröffnung der Französischen Filmtage im Tübinger "Museum". Sommer

Als Zimmermädchen in einem Hotel auf Korsika bessert die Gattin eines braven Malochers die klamme Familienkasse auf. Eines Tages beobachtet das verhärmte, genügsame Heimchen beim Bettenmachen ein Liebespaar beim Schach – und gerät fortan selbst in den Sog des königlichen Spiels. In einem gebildeten Sonderling (Hollywoodstar Kevin Kline), dem sie eigentlich die Bude putzen soll, findet sie einen Lehrmeister.

Daheim muss derweil Männe, der es mehr mit Backgammon hält, sich selbst sein Essen kochen, und auch die erste Liebe des heftig pubertierenden Töchterleins rauscht vor lauter Gedanken an die magischen 64 Felder unbemerkt an ihr vorbei. Zumindest einen halben Film wandelt Bonnaire psychologisch plausibel auf dem schmalen Grat zwischen problematischem Suchtverhalten und lobenswerter Emanzipation aus einer freudlosen Existenz – ehe die klug aufgerissenen Konflikte einer relativ simplen Erfolgsstory weichen müssen.

Figuren aus der Unterschicht waren schon immer ein Markenzeichen Sandrine Bonnaires – angefangen bei der Vagabundin in Agnès Vardas „Vogelfrei“ vor fast 25 Jahren. Liegt das daran, dass sie selbst in einer armen elfköpfigen Arbeiterfamilie aufwuchs? „Die Herkunft hilft, um die Hausarbeit glaubwürdig vor der Kamera zu erledigen“, wiegelt sie im Gespräch am kleinen runden Pressetisch ab. „An der Joueuse-Rolle hat mich aber vor allem die plötzlich hervorbrechende Leidenschaft dieser Frau fasziniert, die immer für andere da war und auf einmal lustvoll nur noch an sich selber denkt“. Immerhin habe ihr ihre Mutter im Vorfeld geraten, mal etwas anderes als immer nur Hausfrauen zu spielen – „jetzt ist ‚Joueuse‘ aber doch ihr Lieblingsfilm geworden“.

Am nächsten Morgen bekommen einige Vertreter der überregionalen Medien noch Einzelaudienzen bei Bonnaire mit Blick auf den offiziellen Deutschland-Start von „Joueuse“ im Januar. Am Nachmittag wird sie schon wieder im Zug nach Paris sitzen. Für ein Publikumsgespräch, wie es bei ihrem letzten Filmtage-Besuch noch selbstverständlich gewesen war, ist diesmal keine Zeit. Zurück bleibt ihr Film, der während des Festivals noch ein paarmal gezeigt wird.

30.10.2009 - 08:00 Uhr | geändert: 05.11.2009 - 13:52 Uhr

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