Die Tübinger Firma „Bewegte Bilder“ bringt die WM dreidimensional in die Kinos – aber anderswo
Die Fußball-WM hat schon einen Gewinner aus Deutschland: den Tübinger Medien-Dienstleister „Bewegte Bilder“. Er ist am 3D-Public-viewing in ausgewählten Kinos beteiligt. Die Lichtspielhäuser befinden sich allerdings alle woanders.
Anzeige
Wilhelm Triebold
Plastischer Torjubel: 3D-Gucker sind im Kino näher dran an (von links) Özil, Khedira, Klose, Schweinsteiger und Friedrich. Bild: Ulmer
Das WM-Projekt von „Bewegte Bilder“ und seinem Partner Eutelsat erinnert ein bisschen ans spanische Nationalteam: es kam schwer in die Gänge, bevor es dann doch einigermaßen rund lief und nun die ausgefeilte Technik zum Tragen kommt.
Auch das Pilotprojekt, mittels satellitengesteuerter 3D-Bilder eine „WM zum Anfassen“ zu liefern, tat sich erst schwer. Kurz vor Tournierbeginn entschieden sich die weitaus meisten Kinobesitzer, die über 3D-Säle verfügen, nach einer Probevorführung dann doch gegen das aufwändige System, das ihnen in Bildqualität und Bildregie nicht gut genug vorkam.
Die Tübinger Digital- und Kinotechnikfirma „Bewegte Bilder“, vor allem aber der Satelliten-Multi Eutelsat schaute erst einmal in die Röhre. Weitere erfolgreichere Versuche brachten dann aber den Durchbruch und vor allem die Lichtspielkette UCI Kinowelt dazu, doch noch mit einzusteigen. Waren es am ersten WM-Wochenende in Deutschland und in der Schweiz gerade mal sieben Kinos, die das Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko in 3D übertrugen, sind es inzwischen knapp 30 Filmsäle in Deutschland, dazu noch drei in der Schweiz und sechs in Deutschland.
Die Fans, heißt es, seien begeistert. Mittendrin statt nur dabei: Wer allerdings hier in der Region diesem speziellen Fußball-Vergnügen frönen möchte, muss erstmal einige Kilometer fahren. Zwar sind das Tübinger Kino an der Blauen Brücke, das Rottenburger Waldhorn-Kino und sogar die Planie Reutlingen (bedingt) 3D-tauglich. Doch dabei sind sie alle drei keineswegs bei der Satellitenschau aus Südafrika. Das allernächste Lichtspielhaus, das mitmacht, lässt sich in Ludwigsburg finden. Michael Greiner von „Bewegte Bilder“ ficht das nicht an: Die teilnehmenden Kinos seien von Partner Eutelsat ausgesucht worden.
Nachdem die deutschen Partien gegen Australien, Ghana und zuletzt gegen Argentinien in neuer 3D-Technik ausgestrahlt wurden, dazu auch zwei weitere Viertelfinalspiele, wurde gestern nun das erste Halbfinale übertragen. Danach bleiben noch drei Gelegenheiten: Heute Abend die Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Spanien, schließlich am Samstag das Spiel um den dritten Platz und am Sonntag das Finale.
Die anspruchsvolle 3D-Technik, die trotz gerüsteter Fernseher bislang noch nicht in den Wohnstuben zu empfangen ist, wurde in Südafrika nur in einigen wenigen WM-Stadien installiert: In Durban, Port Elizabeth und Johannesburg. Die Qualität scheint inzwischen überzeugend zu sein. „Viele waren positiv überrascht“, umschreibt Greiner die bisherigen Reaktionen. Die „WM zum Anfassen“ gehört zu dem neuen Konzept der Firma „Bewegte Bilder“, das Angebot zu erweitern – „gerade auch für die Sommermonate“, in denen selbst kleine Kinos ihre Säle kaum einmal voll kriegen, wie Greiner bedauert.
Imer mehr würde sich deshalb die „Interaktion in den Kinosaal selbst“ verlegen. Neben Sportveranstaltungen und Kultur-Events kommen da inzwischen sogar Computerspiel-Wettbewerbe in Frage. Und immer beliebter: Übertragungen von Opern, etwa live aus der New Yorker Met.
Rund 8 000 Euro kostet die Kino-Betreiber die Installation einer Satellitenschüssel mit 120 Zentimetern Durchmesser und eines 3D-tauglichen Receivers. Die UCI-Gruppe überträgt als nächstes nach der WM übrigens am 15. Juli ein Hip-Hop-Konzert in Hürth mit den „Fantastischen 4“ komplett in 3D. Mittenmang dabei: „Bewegte Bilder“, die dazu „mehr Aufgaben“ als bislang übernimmt, so Sprecher Greiner.
Den gesamten deutschsprachigen Raum in Mitteleuropa möchten die Medienpartner Eutelsat und „Bewegte Bilder“ nun mit satellitengestütztem digitalem Kinonetzwerk bestücken. Es läuft gut: Innerhalb von drei Wochen, sagt Greiner, wurden über 80 Verträge abgeschlossen. Tübingen dürfte wohl im Herbst dazukommen.
Info Die komplette Liste aller 3D-Spielorte der Fußball-WM unter www.wm-3d.com