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Echter Wumm - aber nicht von hier

Der gebürtige Tübinger Benjamin Heisenberg steht mit "Der Räuber" im Berlinale-Wettbewerb

Ein Tübinger im Wettbewerb der Berlinale! So rauschte es dieser Tage durchs Feuilleton mit Blick auf Regisseur Benjamin Heisenberg und seinen Film "Der Räuber". Das ist aber ein bisschen zu viel der Ehre.

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Klaus-Peter Eichele
Artikelbild: Der gebürtige Tübinger Benjamin Heisenberg steht mit "Der Räuber" im Berlinale-Wettbewerb Benjamin Heisenberg.
Immerhin: Heisenberg wurde 1974 in Tübingen geboren, zog aber schon im zarten Babyalter mit seiner Akademiker-Familie  weiter nach Würzburg. 2005 kehrte der Enkel des berühmten Physikers Werner Heisenberg zu einer Podiumsdiskussion bei den Französischen Filmtagen an seinen Geburtsort zurück. Thema damals: Was ist eine gute Filmzeitschrift?

Denn ehe Heisenberg mit dem Filmemachen begann, hat sich der diplomierte Bildhauer  publizistisch aufs Kino gestürzt. Er war (und ist noch) Mitherausgeber des Magazins "Revolver", das sich als Sprachrohr junger deutscher Autorenfilmer versteht - ähnlich wie in den fünfziger Jahren die französischen Cahiers du Cinéma, bei denen sich die späteren Nouvelle-vague-Gründer Truffaut, Godard & Co filmkritisch austobten. 2006 kam Heisenbergs Regie-Debüt "Schläfer" in die Kinos, einer der ersten deutschen Filme, die sich mit der Terrorismus-Paranoia nach dem 11. September 2001 befasst haben.

Mit seinem Zweitling "Der Räuber" (Trailer) wurde Heisenberg nun überraschend in den Berlinale-Wettbewerb berufen. Der unterkühlte Thriller ist inspiriert von der Biographie des Wieners Johann Kastenberger ("Pumpgun-Ronnie"), der in den achtziger Jahren mit einer Ronald-Reagan-Maske als Tarnung reihenweise Banken ausgeraubt und mehrere Menschen umgebracht hat. Zugleich war er einer der besten österreichischen Marathonläufer. Die Kritiken nach der "Räuber"-Premiere am Montag fielen mehrheitlich positiv aus: Der Blogger von Spiegel-online sah zwar einen "eher lahmen Krimi, dem  aber die Banküberfälle echten Wumm geben." Die Berliner Zeitung lobte dagegen gerade die "schreiend stillen Bilder" dazwischen, "auf denen die Welt aussieht wie ein kalter, fremder Planet". Und die Frankfurter Rundschau fordert schon bei Festival-Halbzeit ultimativ den Golden Bären für Heisenberg: "Was für ein Juwel von einem Film!"

So oder so: Den eventuellen Bären werden wir, anders als den eventuellen Oscar für "Das weiße Band" mit der echten Tübingerin Leonie Benesch, auf keinen Fall lokalpatriotisch vereinnahmen.
17.02.2010 - 12:10 Uhr | geändert: 30.03.2010 - 13:11 Uhr
Zuletzt Kommentiert

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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