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Kinosaal als Ort der Kunst

Das Rottenburger Waldhorn ist jetzt auch Bühne für Installationen und Collagen

Kunst muss im Kino nicht immer nur auf der Leinwand passieren. Im Rottenburger „Waldhorn Kino“ von Elmar Bux wird der Zuschauerraum zum Ausstellungsraum, „zu einem Museum“, wie Bux das nennt.

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Werner Bauknecht
Artikelbild: Das Rottenburger Waldhorn ist jetzt auch Bühne für Installationen und Collagen Kunst im Rottenburger Waldhorn-Kino: Im Vordergrund ein Kronleuchter von Christian Holder, im Hintergrund Collagen berühmter Regisseure von Thomas di Paolo. Bild: Sommer
Über der Bühne, vor dem dunklen Vorhang, hängen neuerdings zwei merkwürdig aussehende Kronleuchter. Bei genauem Hinsehen erkennt der Beobachter, dass der untere, ausladende Teil aus einer alten Filmspule besteht. Aus der Decke fließen silberglänzende Perlenketten, die in Sektgläsern enden, die auf der Spule festgemacht sind. Kunstvoll drapiert ist das Ganze mit alten Filmstreifen. Die Leuchter hängen an einer großen Metallschiene an der Decke. Rechtzeitig zu Filmbeginn bewegen sich die Leuchter nach außen und geben den Blick auf die Leinwand frei.

Geschaffen hat das Ganze Christian Holder, ein Freund von Bux, und „ein echter Tüftler.“ Bux hatte die Inspiration in einem Schweizer Kino, und fragte umgehend bei Holder nach, ob er ihm „so was machen könne“. Er konnte: „Immer, wenn es was zom bäschtle gibt“, so Liedermacher Holder lachend, „dann bin ich dabei.“ Seit September hat er, immer wenn er Zeit und Lust hatte, an den Leuchtern gearbeitet.

Die Materialkosten seien dabei nicht sehr hoch gewesen. Das meiste habe einfach zu Hause rumgelegen, anderes habe er sich im Baumarkt besorgt. „Erst habe ich einen Prototypen gemacht, und den als Vorlage genommen.“ Die Stahlschiene allerdings und die Elektrik dahinter, so Bux, sei teuer gewesen. „Da sind ein paar Tausend Euro schnell weg.“

Woody Allen – mit Kaffee gemalt

Auch die Wand auf der Seite der Einlasstüre trägt jetzt Kunst. Passend zum Ambiente hängen dort große Porträts bekannter Regisseure. Gemalt hat sie der Rottenburger Grafikdesigner und Illustrator Thomas Di Paolo. „Das Besondere an den Gesichtern“, erklärt er, „ist, dass sie mit Espresso, also mit Kaffee, gemalt wurden. Danach habe ich sie fixiert, damit sie nicht verblassen.“ Der Hintergrund besteht aus Aquarellmalerei oder aus Collagen. Zu jedem Gesicht gibt es da Stationen der jeweiligen Karriere.

Bei Woody Allen zum Beispiel die Skyline von New York, oder bei Ingmar Bergmann rot leuchtende Erdbeeren für seinen Klassiker „Wilde Erdbeeren.“ Stanley Kubrick, auf besonderen Wunsch des Kinobetreibers entstanden, wird mit einem Stück Schmirgelpapier ergänzt. „Er war bei den Schauspielern als Schleifer bekannt“, so Di Paolo grinsend, „das wollte ich damit demonstrieren.“ Dazu ein Bild aus dem Kultklassiker „Odyssee: 2001.“ Auch Wim Wenders oder Alfred Hitchcock gehören noch in die Galerie. „Ich habe seit September jeden Monat ein Bild gemalt“, sagt Di Paolo, „wenn ich zwölf fertig habe, dann will ich sie als Kalender herausbringen.“

Museumsatmosphäre vor Filmbeginn

Für Bux ist der Kinosaal ein Kunstort. Die Besucher sollen vor Filmbeginn durch den Saal wandern, und sich Kunstwerke betrachten. So steht ein altes Filmvorführgerät an der Wand, „ein echter Koloss“, daneben eine Tafel, auf der Typ, Herkunft und Funktionsweise erklärt werden. Mit weiteren Erklärungstafeln zu den einzelnen Gegenständen will Bux eine klassische Museumsatmosphäre schaffen. Immer wieder sollen neue Ausstellungsstücke dazukommen. „Ich hab es nicht eilig damit“, so Elmar Bux, „aber wenn mir eine gute Idee kommt, dann setze ich das schon um.“

Holder arbeitet bereits an einigen kleineren Ausgaben seiner Kronleuchter. Sie sind für das Foyer gedacht. „Jetzt weiß ich ja, wie es funktioniert“, sagt er, „da brauche ich nicht mehr ganz so lang dafür.“
21.08.2011 - 11:29 Uhr | geändert: 20.09.2011 - 15:14 Uhr

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