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Interview mit Debütfilmer Burkhard Feige

Am Riemen reißen nützt bei Psychosen nichts

Im starken Debütfilm „U.F.O.“ des früheren Tübingers Burkhard Feige weckt der Super-Gau von Tschernobyl bei einer Frau mit Schizophrenie einen psychotischen Schub. Machtlos muss ihr zwölfjähriger Junge mitansehen, wie seine Mutter in den Wahn abdriftet und die Familie zu zerfallen droht.

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Klaus-Peter Eichele
Artikelbild: Am Riemen reißen nützt bei Psychosen nichts Burkhard Feige, Jahrgang 1972, ist in Tübingen aufgewachsen und hat sein Abi an der Waldorf-Schule gemacht. Nach Zivildienst und Grundstudium von Jura und Philosophie wechselte er an die Münchner Filmhochschule. Die SWR-Produktion „U.F.O.“, die im Herbst ausgestrahlt werden soll, ist sein erster langer Spielfilm. Die Tübinger Vorpremiere ist am Sonntag, 16. Mai, 11 Uhr im Kino Blaue Brücke.
Herr Feige, Ihr Film geht ganz schön an die Nieren. Haben Sie selbst Erfahrung mit Schizophrenie gemacht?


Meine Mutter hatte eine schizophrene Psychose, insofern ist der Hintergrund autobiografisch. Diese Erfahrung hat sicher dabei geholfen, die Figuren glaubwürdig zu gestalten, aber man muss als Filmemacher irgendwann auch loslassen können und den Charakteren ein Eigenleben zugestehen. Die Geschichte selbst ist frei erfunden.

Was ist Ihr Anliegen?

Generell will ich als Regisseur spannend und unterhaltsam erzählen, aber den Zuschauern auch einen Mehrwert mitgeben, etwas, von dem sie vorher noch keine Ahnung hatten. Schizophrenie und Psychose sind ja Themen, die im Kino und Fernsehen selten vorkommen, und wenn, dann oft recht oberflächlich. So nach dem Motto: Man muss sich halt zusammenreißen, dann kommt man auch mit dieser Krankheit klar. So einfach ist es aber nicht.

Wie ist es wirklich?

Bei Angehörigen herrscht oft eine ganz große Hilflosigkeit, vor allem, wenn die Krankheit das erste Mal ausbricht. Man will es nicht wahrhaben, verdrängt, reimt sich alles mögliche zusammen, bevor man akzeptiert: Der Mensch, den man liebt, ist psychisch krank, lebt teilweise in einer von der eigenen völlig abgetrennten Welt. Bei einem zwölfjährigen Jungen verläuft dieser Prozess wahrscheinlich noch viel schmerzhafter als bei Erwachsenen.

Der Film spielt in den achtziger Jahren, während der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl . . .

Ich habe lange nach einer Metapher für die unsichtbare Bedrohung durch eine psychische Krankheit gesucht. Tschernobyl schien mir schließlich ideal: Strahlung kann man genau so wenig sehen wie Schizophrenie. Keiner weiß genau, wie schlimm es wirklich ist. Die einen verdrängen alles, andere rasten völlig aus.

Schizophrenie führt nicht selten in den Suizid. So schlimm kommt es in Ihrem Film nicht.

Es ist eben ein Film, der auch unterhalten soll. Insofern war es mir wichtig, einen hoffnungsvollen Ausblick zu geben. Bei einem solchen Thema ist es immer ein Ritt auf der Rasierklinge, ein Ende zu finden, mit der man die Masse der Zuschauer nicht vergrault, aber auch nicht belügt.
14.05.2010 - 18:19 Uhr | geändert: 17.05.2010 - 22:06 Uhr
Zuletzt Kommentiert

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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