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Der neue Trend: Aus Alt mach 3D

Wird alles aufregender? Oder ist alles nur aufgeplustert?

Immer mehr Hollywood-Studios, allen voran Disney, konvertieren ältere Erfolgsfilme in 3D. Das lässt die Kassen klingeln. Aber ästhetisch und erzählerisch bringt das Verfahren nicht immer Mehrwert.

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MAGDI ABOUL-KHEIR
Artikelbild: Wird alles aufregender? Oder ist alles nur aufgeplustert? In den USA hat dieser Tage "Die Schöne und das Biest" (großes Bild) als 3D-Film äußerst erfolgreich Premiere gefeiert. Rechts von oben: Der "König der Löwen" hat vor Monaten bereits mit der neuen Technik viel Geld eingebracht, im Februar folgt "Star Wars - Episode 1", im April "Titanic". Fotos: Buena Vista (2), Fox, Archiv

Nein, natürlich geht es nicht um Geld. Sondern nur um Kunst und Emotionen. Wenn die "Titanic" nun dreidimensional auf der Kinoleinwand untergeht, wird es "realer, intensiver, unmittelbarer wirken", schwelgt Regisseur James Cameron. "Das Drama, die Romantik, das Aufregende - all diese Dinge werden durch 3D gesteigert." Dass sich die Kasseneinnahmen auch gewaltig steigern werden, ist keine Erwähnung wert.

Auch Rob Minkoff, Co-Regisseur vom "König der Löwen", schwärmt nur von der "umfassenderen" Kinoerfahrung, die durch die 3D-Konversion seinen Klassikers möglich werde. Dabei dient der Neustart des 17 Jahre alten Zeichentrickfilms im vergangenen Herbst jetzt quasi als Blaupause für die 3D-Wiederverwertung beliebter Filme.

Der "König der Löwen" war für rund acht Millionen Euro ins dreidimensionale Format umgewandelt worden, hinzu kam eine wohl 25 Millionen Dollar schwere Marketing-Kampagne. Aber das alles zahlte sich aus: An den Kinokassen nahm er weltweit 167 Millionen Dollar ein, die Erträge der neuen DVD- und Blue-Ray-Editionen lassen sich noch gar nicht abschätzen. Denn wenn immer mehr 3D-Fernseher Einzug in den Wohnzimmern halten, wünschen sich die Konsumenten entsprechende Ware. Und was gibt es da Attraktiveres als beliebte Filme für Jung und Alt, die längst eine Fanschar haben? Da fällt es kaum ins Gewicht, dass der 3D-Boom im Kino eher wieder am Abklingen ist. Kinoklassiker und Event-Filme schaut man sich eben doch wieder gern an.

Artikelbild: Wird alles aufregender? Oder ist alles nur aufgeplustert? Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und Regisseur James Cameron bei den Dreharbeiten zu "Titanic". Unten der Trailer zum Film.

Dementsprechend sieht das Programm an Filmen aus, die als stereoskopisches Ereignis neu ins Kino kommen. Disney hat schon nachgelegt: In den USA hatte vergangenes Wochenende "Die Schöne und das Biest" in 3D Premiere gefeiert und bereits mehr als 25 Millionen Dollar eingespielt. Folglich wird Disney jetzt zahlreiche Klassiker aus seinem Programm konvertieren: 2012/13 sind das wohl noch "Findet Nemo", "Die Monster AG" und "Die kleine Meerjungfrau".

Am 9. Februar läuft "Star Wars - Episode 1" an, nach und nach werden alle "Krieg der Sterne"-Filme umgewandelt. Ab 5. April geht die "Titanic 3D" auf Eisbergkurs, genau 100 Jahre nach der Katastrophe. Gut möglich, dass James Cameron auch seinen Riesenhit "Terminator 2" umwandeln lässt, die "Matrix"-Trilogie in 3D scheint ebenso denkbar. Natürlich ist es naheliegend, auch die "Herr der Ringe"-Spektakel aufzumotzen, denn "Der Hobbit", also die Vorgeschichte, kommt ja im Dezember ohnehin als 3D-Film ins Kino. So liegt dann irgendwann die komplette Tolkien-Saga aus Mittelerde dreidimensional vor.

Doch hat die 3D-Konversion abgesehen vom neuerlichen Kassenklingeln auch einen sinnlichen oder erzählerischen Mehrwert? Profitieren nicht nur die Macher, sondern auch die Filme und damit die Zuschauer wirklich? Bei Animationshits wie "Toy Story" oder "Findet Nemo" kann man das bejahen. Denn ihnen liegen im Computer ohnehin dreidimensionale Modelle zugrunde: Sie waren also, wenn man so will, ohnehin schon immer 3D-Filme. Daher kostet die Konversion bei ihnen auch nur rund vier Millionen Dollar. Und bei Zeichentrickfilmen entsteht zumindest kein Schaden, denn sie besitzen eine gedachte - eben malerisch umgesetzte - Schichtenstruktur oder Tiefenstaffelung. Dieser Effekt wird durch 3D nur intensiviert.

Oft genug aber ist das Aufplustern durch eine rechnerisch hinzugefügte dritte Dimension kein Gewinn, im Gegenteil. Denn eben diese dritte Dimension - also den "Raum" - hat ein Regisseur ja mit seinen filmischen Mitteln längst inszeniert: Im normalen 2D-Film wird der Raum durch Kameraperspektiven und -fahrten, vor allem aber durch den Schnitt konstruiert und etabliert. Ein künstlich hinzugefügter 3D-Effekt erzeugt somit erzählerische Redundanz, ja sogar ästhetischen Widersinn.

Man stelle sich mal diese Analogie vor: Einem Stummfilm wie "Metropolis" würden heute Dialoge hinzugefügt - die intensive nonverbale Kommunikation der Inszenierung und die theatralische Ausdruckskraft der Schauspieler wirkten dann völlig überzogen, ja albern.

Oder man denke an die Colorierung von Schwarz-Weiß-Filmen - auch sie ist gestalterisch kontraproduktiv, da Licht-Schatten-Wirkungen abgeschwächt werden und expressive Schwarz-Weiß-Kontraste verloren gehen.

So ähnlich verhält es sich mit der 3D-Konvertierung: Das Bild erhält Informationen, die längst anderweitig vorhanden sind. Natürlich weiß das auch ein James Cameron. Gewiss wird die "Titanic" dreidimensional eindrucksvoll über das Leinwandmeer gleiten. Aber was es heißt, originär in 3D zu gestalten, hat er ja selbst bewiesen: mit "Avatar" - dem Film, der den stereoskopischen Hype überhaupt erst hat entstehen lassen.

18.01.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 31.01.2012 - 11:09 Uhr

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