Tom Cruise muss nach bizarren Auftritten um seine Karriere kämpfen
Er war lange Jahre der größte Kassengarant des Kinos. Doch dann überspannte Tom Cruise den Bogen, und sein Image schlug ins Gegenteil um.
Anzeige
MAGDI ABOUL-KHEIR
So fing's an: Tom Cruise 1986 in "Top Gun".
Er war doch nur verliebt. Vielleicht ein wenig überdreht oder auch etwas größenwahnsinnig, aber nunmal soooo glücklich. Und daher hüpfte Tom Cruise, damals erfolgreichster Hollywood-Star, in der populärsten Talk-Show der Welt mal rasch wie irre lachend aufs Sofa und führte mit Gastgeberin Oprah Winfrey einen Ringkampf auf.
Fünf Jahre ist das her, und Cruises Karriere hat sich davon bis heute nicht wirklich erholt. Das wirft interessante Fragen auf: Wie sehr können misslungene mediale Auftritte eines Stars die Rezeption seiner Arbeit prägen? Wie weit kann das öffentliche Erscheinungsbild die Leinwandpräsenz eines Schauspielers überlagern? Und ganz einfach ausgedrückt: Wann hat ein Sympathieträger ausgedient?
Früher schien dem New Yorker fast alles zu gelingen, was er anpackte. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, bekam er mit Anfang 20 schon einige ordentliche Rollen, 1983 folgte mit der Teenie-Yuppie-Komödie "Lockere Geschäfte" der Durchbruch und 1986 mit dem Army-Flieger-Hohelied "Top Gun" der erste Mega-Hit.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere: "Mission: Impossible" (1996) mit Jean Reno.
Cruise hatte ein Näschen für finanziell erfolgreiche Filmprojekte, und er sorgte auch selbst dank seines Star-Appeals für steten Erfolg an der Kinokasse: Das galt für Action-Kracher ("Mission Impossible"), aber auch für Thriller ("Die Firma") und Epen ("In einem fernen Land"). Seine Spezialität waren Streifen, die einen gewissen Anspruch mit kommerzieller Machart verbanden, wie "Rain Man" oder "Der letzte Samurai".
Cruise war nie ein richtiger Kritiker-Liebling, wurde aber immerhin dreimal für den Oscar nominiert, wobei er vor allem in dem Kriegsheimkehrer-Stück "Geboren am 4. Juli" und im ambitionierten Episodenfilm "Magnolia" sehenswerte Auftritte hinlegte. Mutig seine Arbeit mit Stanley Kubrick im Erotik-Thriller "Eyes Wide Shut" mit der damaligen Gattin Nicole Kidman, erstaunlich sein eiskaltes Killer-Porträt in "Collateral"; Steven Spielberg setzte Cruise gleich mehrfach ein.
Zwei Jahrzehnte Karriere auf konstantem Top-Niveau - selbst wenn Cruise auch schon in den 90ern für Schlagzeilen sorgte, vor allem durch sein offensives Eintreten für die Scientology-Sekte. Nach der Trennung von Nicole Kidman 2001 und einer Affäre mit Penelope Cruz wurden die Nachrichten um ihn aber immer seltsamer.
Auf dem absteigenden Ast: "Knight and Day" (2010) mit Cameron Diaz.
Das alles gipfelte im Hype um seine Beziehung mit der Aktrice Katie Holmes, seine Attacken gegen die Psychiatrie im Allgemeinen und auf Kollegin Brooke Shields im Besonderen, weil diese über die Einnahme von Antidepressiva gesprochen hatte. Wobei Cruise selbst immer, sagen wir mal, auffälliger agierte, bisweilen überreizt und rechthaberisch auftrat. Wenn Erfolg Cruise sexy machte, ließ ihn eine Überdosis egoman werden.
Bis 2004/05 schien Cruises bizarres Gehabe den Erfolg seiner Filme nicht zu beeinträchtigen, doch das Sofa-Gehopse bei "Oprah" war den Amerikanern zu viel. Die Leser der "Los Angeles Daily News" wählten ihn Ende 2005 zum "peinlichsten Star des Jahres", wenige Monate später geriet der dritte Teil der Erfolgsreihe "Mission Impossible" zwar nicht zum totalen Flop, doch zu einer Enttäuschung - wo es sich paradoxerweise um den besten Film der Serie handelte. Dann beendete die Produktionsfirma Paramount die Zusammenarbeit mit Cruise.
Seitdem ist der Start jedes neuen Cruise-Films eine spannende Sache: Gibt das Publikum ihm wieder eine Chance? Die Vorzeichen seines Images scheinen sich komplett verändert zu haben. Dabei sucht sich Cruise interessante Stoffe aus, doch das Kriegsdramas "Von Löwen und Lämmern" wollte 2007 kaum einer sehen. Mit "Operation Walküre" - darin verkörperte er Claus Schenk Graf von Stauffenberg - gelang ihm immerhin ein Achtungserfolg.
Und nun versucht er, an der Seite von Cameron Diaz mit "Knight and Day" wieder in Sachen Popcorn-Kino groß zu punkten. Doch die US-Zuschauer haben recht verhalten auf die Mixtur aus atemloser Action und romantischer Komödie reagiert. Cruise spielt einen Agenten, bei dem man nie weiß, woran man ist - wie passend. Doch ein echter Charakter ist das nicht, und so sieht das Publikum in Cruise eben nur noch Cruise, und das schreckt viele ab. Wird "Mission Impossible 4" 2011 zu seiner letzten Chance. Der Star hofft wohl, dass der Filmtitel nicht Programm wird, was die Rettung seiner Karriere betrifft.