02.03.2010 Drucken Empfehlen
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Von Gotham City ins Wunderland

Tim Burton ist Hollywoods eigenwilligster Bilderschöpfer

Kinomachen ist die Kunst, Geschichten visuell zu erzählen, daher darf man den Regisseur Tim Burton als echten Regie-Autoren feiern. Seine Handschrift - die eines Fantasten und Zeichners - ist unverwechselbar.

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MAGDI ABOUL-KHEIR
Artikelbild: Tim Burton ist Hollywoods eigenwilligster Bilderschöpfer "Alice im Wunderland"

Ein künstliches Geschöpf verwandelt mit seinen Scherenhänden Büsche in Kunstwerke. Ein kopfloser Reiter versetzt ein Dorf in Angst und Schrecken. Ein skelettdürrer Kürbiskönig bringt das Weihnachtsfest durcheinander. Glupschäugige Marsmenschen überfallen hämisch lachend - "Ack, ack!"- die Erde.

Skurril, aber doch vielfältig scheinen sie zu sein, die Helden in Tim Burton Filmuniversum. Und doch sind sie meist auf den ersten Blick als seine Schöpfungen zu erkennen: Bereits im Kurzfilm "Frankenweenie" von 1984 begegnen sie einem: diese typischen Figuren mit ihrem Schattenblick, ihrer Melancholie, dem clownesken Aberwitz.

Artikelbild: Tim Burton ist Hollywoods eigenwilligster Bilderschöpfer Tim Burton bei den Dreharbeiten.

Ob es um Action und Abenteuer in Gotham City geht ("Batman", 1989) oder um traurig Märchenhaftes ("Edward mit den Scherenhänden", 1990), ob Burton eine Hommage an einen Kino-Dilettanten dreht ("Ed Wood", 1994) oder selbst Trash-Comics adaptiert ("Mars Attacks!", 1996), ob sich das Geschehen in surreal-grellbunten oder in scherenschnitartig-expressionistischen Dekors abspielt: Jedes Film-Bild verrät das Werk des Zeichners.

Mit 13 drehte Burton seinen ersten Streifen, mit einem Disney-Stipendium studierte er Trickfilm und wurde dann bei Disney als Zeichner angestellt. Mit der überdrehten Komödie "Pee-Wees irre Abenteuer" begann 1985 seine Kinokarriere.

Burton ist ein Regisseur von starker stilistischer Eigenart. Das zeigt sich auch oder gerade, wenn er Stoffe anderer Autoren in seine Filmsprache übersetzt. Sei es eine Vorlage von Roald Dahl ("Charlie und die Schokoladenfabrik", 2005), Stephen Sondheim ("Sweeney Todd", 2007) oder, ganz aktuell, Lewis Carroll (Alice im Wunderland, 2010): Immer wird er vom Makabren, Bizarren, Grotesken, Fantastischen, auch Grausamen angezogen, das erst in seinen Skizzenbüchern, später auf der Leinwand kunstvoll und detailverliebt Form annimmt.

Artikelbild: Tim Burton ist Hollywoods eigenwilligster Bilderschöpfer "Sweeney Todd" mit Johnny Depp.

Natürlich sucht sich der 1958 in Kalifornien geborene Filmemacher Stoffe nicht nur nach visuellen Möglichkeiten aus. Er hat seine Haupt-Themen: die Reise ins (Alp-)Traumhafte, die Welt zwischen Leben und Tod, der Einbruch der Groteske in die Realität, Vater-Sohn-Konflikte.

Burton gilt als launischer, schwieriger Regisseur, doch auch als treuer kreativer Partner. Auf Charakterdarsteller von Danny DeVito bis Christopher Lee greift er immer wieder zurück, Lebensgefährtin Helena Bonham Carter spielt in "Alice" ihre sechste Burton-Rolle. Und vor allem ist da Johnny Depp, quasi das Alter Ego des Regisseurs und Patenonkel dessen Kinder. "Alice" ist Depps - er spielt den verrückten Hutmacher - siebter Burton-Film. Der Filmemacher arbeitet gern mit den gleichen Ausstattern, Kostümbildern und Make-Up-Künstlern, die seine Visionen umsetzen können. Und mit Komponist Danny Elfman hat er eine kongeniale Arbeitsbeziehung (13 gemeinsame Filme!), die beiden teilen die Vorlieben fürs Verspielt-Märchenhafte, aber auch fürs Abgründig-Schaurige. Krönung ihrer Zusammenarbeit ist "Nightmare Before Christmas" (1993), ein poetisches und schwarzhumoriges Puppentrick-Musical.

Artikelbild: Tim Burton ist Hollywoods eigenwilligster Bilderschöpfer Siamesische Zwillinge in "Big Fish".

Tim Burton war erst einmal für den Oscar nominiert, kommerziell hat er nicht nur Erfolge abgeliefert. Doch künstlerische Fehlschläge musste er nur erleben, wenn er sich nicht treu blieb: wie beim flauen Remake "Planet der Affen"(2001). Dieser Film ist nämlich nicht das, was Burton am besten kann: Er ist kein echter Burton.

02.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 18.05.2010 - 13:53 Uhr
Zuletzt Kommentiert

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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