26.02.2013 Drucken Empfehlen
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Liebesgrüße nach Wien

Österreich jubelt über die Oscars für Waltz und Haneke - Auch Ben Affleck triumphiert

Jubel und Ärger nach der Oscar-Nacht: Die Auszeichnung für Ben Afflecks "Argo" als bester Film löst iranische Proteste aus. In Österreich herrscht doppelte Freude über Michael Haneke und Christoph Waltz.

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PATRICK T. NEUMANN, ALIKI NASSOUFIS, DPA
Artikelbild: Österreich jubelt über die Oscars für Waltz und Haneke - Auch Ben Affleck triumphiert Die besten Schauspieler auf einem Bild (von links): Daniel Day-Lewis und Jennifer Lawrence wurden als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet, Anne Hathaway und Christoph Waltz als beste Nebendarsteller. Fotos: dpa, afp/Joe Klamar
Los Angeles
Für eine der größten Überraschungen sorgte Michelle Obama. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung wurde die Präsidentengattin live aus dem Weißen Haus zur Gala in Hollywood zugeschaltet, um den Gewinnerfilm zu verkünden: Ben Afflecks Polit-Thriller "Argo" (Trailer unten), der von einer Geiselentführung im Jahr 1980 im Iran erzählt, wurde zum besten Film des Jahres gekürt. Der Auftritt war wohl als glamouröse Geste gedacht, doch der Iran wittert einen politischen Affront. Ben Affleck erzählt die historische Geschichte der spektakulären Befreiung von US-Geiseln packend und spannend. Dem Iran gefallen jedoch weder das Werk noch der Haupt-Oscar dafür. Es stelle sich die Frage, warum Michelle Obama ausgerechnet dann zugeschaltet werde, "wenn ein anti-iranischer Film ausgezeichnet wird", kritisierten iranische Nachrichtenagenturen. Obamas Auftritt sei ein Zeichen der "Feindschaft mit dem Iran" gewesen, sagte der Kulturminister des Landes, Mohammed Hosseini. Bei der Preisverleihung selbst hatten wohl nur wenige mit diesen Reaktionen gerechnet. Da überwog der Jubel, vor allem der von Ben Affleck. Nach seinem fulminanten Oscar-Gewinn 1998 für das Drehbuch zu "Good Will Hunting" war es jahrelang etwas stiller um ihn geworden. Doch mit dem Haupt-Oscar ist der 40-Jährige nun wieder ganz oben. Besondere Genugtuung dürfte er dabei gegenüber der amerikanischen Filmakademie empfunden haben. Die hatte ihn für die beste Regie gar nicht erst nominiert. Natürlich gab es noch mehr Gewinner bei der 85. Oscarverleihung in der Nacht zum Montag. Ang Lee war darunter mit "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger". Seine bildgewaltige 3D-Literaturverfilmung holte mit vier Trophäen die meisten Preise, unter anderem den für die beste Regie. Es war aber nicht nur eine Nacht der Sieger, sondern auch eine der Verlierer - wie Emmanuelle Riva, eine der Hauptfiguren aus Michael Hanekes "Liebe". Ihre Chance auf einen Oscar musste sie ausgerechnet am Tag ihres 86. Geburtstages aufgeben. Stattdessen schnappte die 22-jährige Jennifer Lawrence ("Silver Linings") der Filmveteranin den Oscar als beste Hauptdarstellerin weg.
Auch das opulent inszenierte Historiendrama "Lincoln" von Steven Spielberg muss man wohl zu den Verlierern zählen. Das Werk war mit zwölf Nominierungen ins Rennen gegangen, musste sich dann aber mit nur zwei Goldjungen begnügen. Einer der beiden war allerdings der für den besten Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis gewann seinen dritten Oscar in dieser Kategorie - ein Rekord, denn das hat noch kein Schauspieler vor ihm geschafft. Die Gala in Hollywood war ein großer Abend für den österreichischen Film. Gleich zwei Trophäen des wichtigsten Kinopreises der Welt gehen in das Nachbarland Deutschlands: Michael Haneke holte den Auslands-Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film mit seinem stillen Altersdrama "Liebe" und sicherte sich mit 70 Jahren seine erste Goldstatue. Auf Englisch, mit starkem österreichischem Einschlag, dankte Haneke seiner Ehefrau: "Du bist der Mittelpunkt meines Lebens." Lauter Jubel lag ihm fern. "Es ist angenehm", sagte der Regisseur auf die Reporterfrage, wie er seine Freude über den Gewinn beschreiben könnte. Für den deutsch-österreichischen Schauspieler Christoph Waltz gab es schon den zweiten Oscar. In dem Western "Django Unchained" spielt der 56-Jährige - wie schon bei seinem ersten Erfolg "Inglourious Basterds" 2010 - eine Nebenrolle unter der Regie von Quentin Tarantino. Der US-Regisseur sicherte sich zudem den Drehbuch-Preis. Tarantino und Waltz zogen mit den Trophäen in der Hand in der Oscar-Nacht durch Hollywood.
Alle Oscars im Überblick

Bester Film: "Argo" Beste Regie: Ang Lee ("Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger") Bester Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis ("Lincoln") Beste Hauptdarstellerin: Jennifer Lawrence ("Silver Linings") Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz ("Django Unchained") Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway ("Les Misérables") Bester nicht englischsprachiger Film: " Liebe", Österreich Bestes Originaldrehbuch: Quentin Tarantino ("Django Unchained") Bestes adaptiertes Drehbuch: Chris Terrio ("Argo") Beste Kamera: Claudio Miranda ("Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger") Bester Schnitt: William Goldenberg ("Argo") Beste Ausstattung: Rick Carter, Jim Erickson ("Lincoln") Bestes Kostüm: Jacqueline Durran ("Anna Karenina") Bestes Make-up und Hair-Styling: Lisa Westcott, Julie Dartnell ("Les Misérables") Beste Filmmusik: Mychael Danna ("Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger") Bester Filmsong: "Skyfall Clip" ("Skyfall", gesungen von Adele) Bester Ton: Andy Nelson, Mark Paterson, Simon Hayes ("Les Misérables") Bester Tonschnitt: Per Hallberg, Karen Baker Landers ("Skyfall") und Paul N.J. Ottosson ("Zero Dark Thirty") Beste Visual Effects: Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan De Boer, Donald R. Elliott ("Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger") Bester Animationsfilm: "Merida - Legende der Highlands" Bester Dokumentarfilm: "Searching for Sugar Man" Bester kurzer Dokumentarfilm: "Inocente" Bester animierter Kurzfilm: "Paperman" Bester Kurzfilm: "Curfew"
26.02.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 25.03.2013 - 13:26 Uhr

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