Die größte Schauspielerin ihrer Generation beehrte die Berlinale: Meryl Streep erhielt einen Goldenen Ehrenbären. Als sie selbst trat die 62-Jährige dabei noch überzeugender auf als in ihrem neuen Film "Iron Lady".
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MAGDI ABOUL-KHEIR
Meryl Streep mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Foto: afp
Berlin Ob sie mal diesen britischen Akzent vormachen könnte, wurde Meryl Streep auf der Berlinale gebeten. "Noooo!", rief sie lachend - in bestem Maggie-Thatcher-Idiom. Die da am Dienstagabend den Ehrenbären für ihr Lebenswerk erhielt, versteht viel Spaß und nimmt ihren Beruf doch so ernst. Sie selbst hält solche Preisverleihungen für "unwirklich", aber sie brachte echten Glanz aufs Festival.
Es gibt glänzende Stars, und es gibt grandiose Schauspieler. Viele der größten Stars bleiben, in allen Rollen, als sie selbst kenntlich: etwa Liz Taylor, Mel Gibson und Robert de Niro (an einem schlechten Tag). Die besten Schauspieler wiederum gehen in ihren Rollen auf, werden hinter dem Filmcharakter unkenntlich: etwa Daniel Day-Lewis, Kate Winslet und Robert de Niro (an einem guten Tag). Doch die Streep ist immer beides: total in einer Figur aufgehend - und doch von der Aura des Stars umgeben.
"Ich denke immer, ich spiele essenziell die gleiche Figur", sagt sie in Berlin, auf ihre Glaubwürdigkeit in so diversen Rollen angesprochen. "Ich suche und finde etwas von mir in den Figuren." Und wo sie sich in 35 Jahren Karriere überall wiedergefunden hat: Als Kraftwerk-Arbeiterin ("Silkwood") überzeugte sie ebenso wie als Modewelt-Tyrannin in "Der Teufel trägt Prada", als romantisch Liebende ("Jenseits von Afrika") wie als Ordensschwester ("Glaubensfrage"). Man glaubt ihr alles, vom anrührenden Leid ("Sophies Entscheidung") über scheuste Emotionen ("Brücken am Fluss") bis zum schrill Albernen ("Mamma Mia"). Sie stand in makabren Satiren ("Der Tod steht ihr gut"), Actionreißern ("Am wilden Fluss") und ambitionierten Dramen ("The Hours") ihre Frau.
In "The Iron Lady" ist sie nun Margaret Thatcher. An der Leistung hätten auch Maskenbildner Anteil, sagt sie. Und doch: "Letztlich geht es nicht um Make-Up, es geht um eine Person." Das klingt aber weder eitel noch arrogant - der Streep fliegen in Berlin die Herzen zu, so hinreißend gewinnend tritt sie auf. Schlagfertig, unprätentiös, warm.
1949 in New Jersey geboren, stand sie zunächst auf der Bühne, war 1977 in "Holocaust" dabei, als TV-Geschichte geschrieben wurde, und katapultierte sich 1978/79 mit drei Filmerfolgen - "Die durch die Hölle gehen", "Manhattan", "Kramer gegen Kramer" - in die oberste Hollywood-Riege. Dort ist sie bis heute geblieben. Zweimal hat sie den Oscar gewonnen - nur zweimal, muss man angesichts unglaublicher 17 Nominierungen sagen. Dass jetzt Oscar Nummer drei folgt, gilt als wahrscheinlich.
Abgesehen von Streep ist "The Iron Lady" freilich Oscar-unwürdig. Die Idee, die alte, demenzkranke Thatcher in den Mittelpunkt zu stellen und ihre politische Geschichte in stichwortartigen Rückblenden zu erzählen, geht nicht auf. Dem Drehbuch und der Regie von Phyllida Lloyd, für die die Streep in "Mamma Mia" schon auf dem Tisch tanzte, mangelt es an einer Haltung zu der Protagonistin. Ihre Collagen beantworten keine spannenden Fragen: Was hat Thatchers Weltbild derart ehern geprägt? Wie war ihr Verhältnis zur Macht? Wie lernte sie, das politische Spiel so kraftvoll eigenständig zu spielen? Und: Hatte sie nie Zweifel bei ihrem harten Kurs?
Gewiss ist es sehenswert, wie die Streep die Thatcher darstellt. Vom Akzent bis zur Körpersprache ist das tolles Mimikry, eine Showwoman-Leistung - aber nicht wirklich ein Charakterporträt. Was Streep persönlich von Thatcher und ihrer Politik hält? "Wenn man jemanden spielt, urteilt man nicht", sagt sie. "Mögen oder nicht mögen? So findet man nicht in eine Figur hinein." Und wie hat sie aus der Extremrolle wieder herausgefunden? "Die Regisseurin hat mir am Ende jedes Drehtags einen Gin Tonic gebracht."
Was treibt sie nach einer solchen Karriere überhaupt noch an? "Ich möchte mich selbst und andere weiterhin überraschen." Und nun einen solchen Preis samt Standing Ovations außerhalb des eigenen Landes zu bekommen, das sei überwältigend. Eigentlich würde sie in Berlin auch gern in moderne Kunstmuseen gehen, aber: "Ich schau ein Bild an, und fünf Leute schauen mir dabei zu. Das geht nicht. Aber ich beklage mich nicht, es ist halt so."
Und weil sie entsprechend lebt, ist die Privatperson Streep auch nie in den Schlagzeilen. Seit 33 Jahren ist sie mit einem Bildhauer verheiratet, hat vier Kinder und sagt: "Ich bin eine Schauspielerin, die nach der Arbeit nach Hause geht." Nachdem sie diese Arbeit so gut gemacht hat wie kaum eine andere.
... Großartiger und wichtiger Film, der nicht in amerikanischen Gut-Böse Klischees "funktioniert" sondern differenziert und sachlich, aber mit viel Herz auf das Elend an unseren Grenzen zu den unverblümten Sklavenregionen dieser Welt aufmerksam macht, wo jede Stunde Menschen ihr Leben lassen, ertrinken, verdursten ...