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Berliner Stadtneurotiker

Interview mit Dani Levy: "Woody Allen hat Pate gestanden"

Dany Levy, Regisseur der Komödie "Das Leben ist zu lang", im Interview.

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Dieter Osswald
Artikelbild: Interview mit Dani Levy: "Woody Allen hat Pate gestanden" Dani Levy

Herr Levy, der Name Ihres Filmhelden Alfi Seliger klingt wie Alvy Singer, der "Stadtneurotiker" von Woody Allen - wie viel Woody steckt in diesem Levy?

DANI LEVY: Woody Allen hat sicher Pate gestanden für den Film "Das Leben ist zu lang". Schließlich demonstriert er seit vielen Jahrzehnten überzeugend, wie man eine Biografie für Komödien verwerten kann und wie tragfähig es ist, menschliche Macken für einen Kinohelden zu nutzen. Ich finde es immer ermutigend, im Kino zu erleben, dass es anderen Menschen ebenfalls Schwierigkeiten bereitet, den eigenen Weg zu gehen.

Sind die Versager auf der Leinwand die Gewinner der Herzen?

LEVY: Auf jeden Fall. Man will im Kino nicht immer nur Menschen sehen, denen es grundsätzlich gut geht. Viele Zuschauer kennen diese Ängste und können daran Anteil nehmen. Ohne Sorgen kann sich keine Komödie entwickeln, denn sie entspringt der Lebensnot: Man betrachtet die existenziellen Probleme mit Humor und daraus ergibt sich der befreiende, erlösende Effekt.

Ihr Film handelt auch vom Karikaturenstreit. "Wollen Sie sehen, ob der Koran brennt" fragt Gottfried John im Film einmal - Haben Sie keine Angst vor Reaktionen fundamentalistischer Fanatiker auf Ihren Film?

LEVY: Ich hätte das nicht gemacht, wenn ich davor Angst hätte. Ich habe das Vertrauen, dass man mich als jemand wahrnimmt, der kulturelle Brücken schlägt und keine Gräben aufreißt. Ich habe Vertrauen, dass der Film auch in muslimischen Kreisen als differenzierte und intelligente Komödie gesehen wird.

Die Nebenrollen und Gastauftritte gleichen einer Starparade - was hat es damit auf sich?

LEVY: Ich arbeite gerne mit Stars, weil ich bei ihnen die Sehnsucht spüre, dem eigenen Image-Korsett zu entkommen. Wenn Stars einmal etwas anderes spielen können, bekommt man unglaublich viel Leidenschaft und Einsatz von ihnen. Aber der Hauptgrund war, dass die Besetzung unser Thema Sein und Schein widerspiegelt. Ein Film muss die Zuschauer immer wieder überraschen - so wie es im Leben ja ebenfalls ständig geschieht.

25.08.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 28.09.2010 - 18:55 Uhr

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