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Clint Eastwood wird 80

"Ich lerne bei jedem Film etwas dazu"

Eine Karriere, wie in Stein gemeißelt: Clint Eastwood wird am 31. Mai 80 Jahre alt. Die Filmwelt verneigt sich - vor allem vor einem großartigen Regisseur.

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MAGDI ABOUL-KHEIR
Artikelbild: "Ich lerne bei jedem Film etwas dazu" Eastwood als rabiater Cop Dirty Harry (1973).

"Wenn man alles kann und weiß, wäre das der ideale Moment um aufzuhören", sagte Clint Eastwood vor drei Jahren verschmitzt, als er auf der Berlinale "Letters from Iwo Jima" vorstellte. "Doch ich lerne bei jedem Film etwas, deshalb drehe ich weiter."

Eastwood, der am 31. Mai 80 wird, hat Wort gehalten. Er dreht immer weiter und schafft dabei das Kunststück, neue Perspektiven zu gewinnen und sich zugleich treu zu bleiben. Seit seinem Kriegsfilm hat er das berührende Drama und Sittengemälde "Der fremde Sohn" gedreht, dann seinen Schwanengesang als Schauspieler inszeniert: die Rassismus-Studie "Gran Torino"; vor kurzen lief "Invictus", gleichermaßen Sportepos und Nelson-Mandela-Porträt, in den Kinos. Und es geht weiter: Das Mystery-Stück "Hereafter" ist schon abgedreht, "Hoover" über den legendären FBI-Chef bereitet er gerade vor.

Artikelbild: Im Kino Museum kann man durch Clint Eastwoods Karriere flanieren Clint Eastwood 1966: "Zwei glorreiche Halunken".

Eastwood war durch Sergio Leones Italo-Western und US-Thriller, vor allem "Dirty Harry", schon eine Leinwand-Ikone, als er mit dem Produzieren und Inszenieren Ernst machte. Mehr als 30 Filme hat er seit seinem Regiedebüt "Sadistico" (1971) gedreht und ein Gesamtwerk geschaffen, das ihn zu einem der ganz großen "Storyteller" der Filmgeschichte macht. Verwundernd, doch bezeichnend: Als Akteur hat Eastwood trotz einiger Glanzleistungen nie einen Oscar gewonnen, als Filmemacher gleich vier.

Dabei gibt es zwischen seinem Auftreten auf der Leinwand und seinem Inszenierungsstil bezeichnende Ähnlichkeiten. Sein alter Schauspiellehrer habe ihm gesagt: "Mach nichts, stell dich einfach hin." Er fühle sich nicht in Rollen ein, sondern spiele "die Leute, die da im Drehbuch stehen, und so ist es gut". Und so scheint auch der Regisseur Eastwood die Kamera einfach hinzustellen und Menschen zu beobachten. Als deutungswütige französische Kritiker ihn mal anhand einer Garagenszene aus "Space Cowboys" zu seiner kontrastreichen Lichtdramaturgie befragten, meinte er lapidar: Nun, in einer Garage sei es eben dunkel.

Artikelbild: Im Kino Museum kann man durch Clint Eastwoods Karriere flanieren Clint Eastwood 1992: "Erbarmungslos"

Ganz so einfach ist es aber doch nicht. In seinem grandiosen Spätwerk seit Ende der 80er kennzeichnen Ökonomie, Klarheit und Haltung Eastwoods Stil. Er weiß genau, was er mit jeder Einstellung erreichen will, eitle Regie-Tricksereien kommen ihm nicht in den Sinn. Dabei scheut der Republikaner und Jazz-Liebhaber keine deutlichen Positionen, schafft aber zugleich Platz für Zwischentöne und Ambivalenz. Gewalt, Leere, Verzweiflung - der Schrecken der Welt wird keinesfalls ausgeklammert, im Gegenteil, aber der Mensch hat meist die Chance zum Wandel. Eastwoods oft abgeklärte Haltung mag im positiven Sinne altmodisch wirken, aber Herz und Verstand befinden sich gerade in seinen jüngeren Filmen in einem angenehmen Gleichgewicht.

Artikelbild: Im Kino Museum kann man durch Clint Eastwoods Karriere flanieren Clint Eastwood 2008: "Gran Torino".

Als Schauspieler hat Eastwood gelernt, das Image des Ewigstarken und Immercoolen zu variieren. Erst kam der stoische, dann der gebrochene Held, aber auch der selbstironische oder der geläuterte. Als Regisseur wirft er einen ähnlichen Blick auf die Mythen seines Landes, auf amerikanische Geschichte und Geschichten. Ob feine Musiker-Biografie ("Bird"), existenzialistische Western-Dekonstruktion ("Erbarmungslos"), zarte Liebesgeschichte ("Die Brücken am Fluss"), abgründiger Thriller ("Mystic River") oder humanistisches Drama ("Million Dollar Baby"), Eastwood weiß, was er tut.

31.05.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 29.06.2010 - 16:15 Uhr
Zuletzt Kommentiert

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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