05.02.2011 Drucken Empfehlen
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Der ganz große Rumms

"Hindenburg": Das Zeppelin-Drama von Lakehurst als Geschichtskrimi bei RTL

74 Jahre ist es her, dass in Lakehurst die "Hindenburg" in Flammen aufging und 36 Menschen in den Tod riss. Das Desaster ist unvergessen. RTL macht daraus einen spektakulären Zweiteiler, in dem es ordentlich rummst.

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SVEN KAUFMANN
Artikelbild: "Hindenburg": Das Zeppelin-Drama von Lakehurst als Geschichtskrimi bei RTL Hannes Jaenicke als Zyniker Gilles mit seinem Hund, der den Hitlergruß beherrscht (links oben). Darunter eine dramatische Szene im Kampf um die Bombe. Am Ende kracht es gewaltig. Das Spektakel war RTL zehn Millionen Euro wert. Foto: RTL

Gewaltige Explosionen, Schreie, brennende und fliehende Menschen, ein Inferno. Dann die Rückblende, die alles erklärt. Der neue RTL-Zweiteiler "Hindenburg" beginnt mit dem furchtbaren Ende des legendären Luftschiffes "LZ 129 Hindenburg", das am 6. Mai 1937 in Lakehurst, USA, in Flammen aufging. 36 Menschenleben kostete das Desaster, es traumatisierte - nur 25 Jahre nach der "Titanic"-Katastrophe - die technikgläubige Welt.

RTL hat das Desaster zu einem spektakulären Zweiteiler verarbeitet, in welchem es die Produktionsfirma Teamworx ("Sturmflut", "Dresden") dank eines Rekordbudgets von zehn Millionen Euro kräftig krachen lässt. Das gilt nicht nur für das furios inszenierte Inferno von Lakehurst. Auch die Bilder vom majestätischen Zeppelin, die Szenen im Luftschiff und die detaillierten Kulissen sorgen dank Computeranimation für Atmosphäre. Dazu kommt ein feines Staraufgebot mit Hannes Jaenicke, Heiner Lauterbach, Ulrich Noethen, Christiane Paul und Wotan Wilke Möhring sowie Greta Scacchi und Stacy Keach.

Artikelbild: "Hindenburg": Das Zeppelin-Drama von Lakehurst als Geschichtskrimi bei RTL

"Hindenburg" hält sich vordergründig eng an das Geschehen von 1937, im Kern hat RTL daraus einen Geschichtskrimi samt Kurz-Love-Story à la "Titanic" gestrickt. Die Kurzfassung: Zeppelin-Ingenieur Merten (Maximilian Simonischek) verliebt sich in Jennifer (Laureen Lee Smith), Tochter des US-Lobbyisten Edward van Zandt. Der soll bewirken, dass das Helium-Embargo gegen Deutschland aufgehoben wird. Die Zeppeline müssen deshalb mit gefährlichem Wasserstoff fahren. Merten stößt auf ein Komplott: An Bord der "Hindenburg" wurde auf dem Weg in die USA eine Bombe versteckt - nur wo? Jennifer und Merten müssen sie finden.

Der Plot des Films ist nicht mal schlecht. Allein, es fehlt an Tiefe. Dass "LZ 129" eine Propagandamaschine der Nazis war, klingt nur an. Einzelschicksale? Gibt es, aber oberflächlich dargestellt. Etwa Familie Kerner, konvertierte Juden auf der Flucht, die an Bord enttarnt wird. Es kommt zum Familiendrama, und - klar - der böse Nazipilot (Wotan Wilke Möhring) versucht das bei Anna Kerner (Christiane Paul) sexuell auszunutzen. Doch woher die Kerners kommen, wohin sie gehen, was hinter all den Schicksalen damals steckte, das bleibt außen vor. Schade angesichts der guten Schauspieler. Hannes Jaenicke etwa spielt herrlich den in die USA fliehenden, zynischen Varietékünstler Gilles, der unbequeme Wahrheiten sagt und - nette Anekdote - seinem Schäferhund den Hitlergruß beigebracht hat. Doch bei insgesamt drei Stunden Länge müsste mehr drin sein.

So hält der Film lediglich das, was RTL verspricht: eine so genannte "Event-Verfilmung". Ob das die richtige Flugroute für derlei Mega-Filme ist? Barbara Thielen, bei RTL zuständig für den Bereich "Fiction", sagte schon während des dreimonatigen Drehs, dass "Hindenburg" ein "reines Prestigeprojekt" sei. RTL könne mit keinem fiktionalen Film Gewinn machen.

Vielleicht würde sich das ändern, wenn man neben der ausgezeichneten Action-Szenen und der stimmigen Atmosphäre auch ein wenig Vertrauen in den Anspruch der Zuschauer setzte. Mit mehr Tiefe hätte "Hindenburg" Kino-Format. Und das kann - es muss ja nicht gleich vom Kaliber "Titanic" sein - ordentlich Geld in die Kasse spülen.

Info Sendetermine: Sonntag und Montag, jeweils 20.15 Uhr auf RTL. Die Zeppelin-Doku "Die letzten Stunden der Hindenburg" sendet RTL am Sonntag um 22 Uhr.

05.02.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 15.02.2011 - 16:09 Uhr

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Lullt einen ein bißchen ein in der engstirnigen und traurigen Beschaulichkeit dieses Alltagslebens mit dem kleinen Hoffnungschimmer, um dann plötzlich zuzuschlagen - grandios und trotzdem deprimierend.


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