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Berlinale-Preise vergeben

Goldener Bär für die Brüder Taviani, Silber für Christian Petzold

Am Ende überraschte die Jury alle: Der Goldene Bär der 62. Berlinale ging an "Cesare deve morire" der Brüder Taviani. Zwei Deutsche wurden silbern bedacht: Christian Petzold und Lutz Reitemeier.

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MAGDI ABOUL-KHEIR
Artikelbild: Goldener Bär für die Brüder Taviani, Silber für Christian Petzold Sie freuten sich bärig (von links): die Filmemacher Paolo und Vittorio Taviani sowie Christian Petzold. Fotos: dpa/afp

Die ersten Minuten des Films sind packend, ziehen einen in den Bann. Ein Theaterensemble spielt das blutige Finale von "Julius Cäsar", wird vom Publikum gefeiert. Dann gehen die Akteure ab und kehren in ihre Zellen zurück. Es sind Strafgefangene - Mörder, Drogenhändler, Mafiosi -, die in Rom hinter Gittern Shakespeare gespielt haben.

Für ihren halbdokumentarischen Film "Cesare deve morire" haben Paolo (80) und Vittorio (82) Taviani am Samstagabend den Goldenen Bären erhalten. Es ist auch eine Verbeugung der Berlinale-Jury um Mike Leigh vor den Kino-Legenden ("Die Nacht von San Lorenzo").

Nichts weniger als ein Film über die Macht der Kunst will "Cesare deve morire" sein. Verrat und Mord gibt es in der Welt der Verbrecher wie bei Shakespeare, sagt Paolo Taviani - "wir hofften, dass es uns gelingen würde, ihre Wirklichkeit mit der von Shakespeare zusammenzubringen". In den Augen der Jury tat es das. Ein Festivalfavorit war der Film aber nicht, denn die Tavianis schwächen die Wirkung ihres Konzept durch inszenierte, eben nicht authentische Proben-Szenen ab.

Einhellig beklatscht wurde der Regie-Bär für Christian Petzold. Sein 1980 in der DDR spielendes Drama "Barbara" (siehe Trailer) hatte die nationale und internationale Kritik überzeugt. Ein weiterer Deutscher wurde mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet: Kameramann Lutz Reitemeier für seine spektakulären Bilder des chinesischen Historienepos "Land des weißen Hirschen". Den Preis nahm die Freundin des gebürtigen Stuttgarters, der oft in Asien dreht, entgegen. Reitemeier filmt gerade in Saudi-Arabien.

Nach Dänemark und in den Kongo gingen die Schauspieler-Bären. Mikkel Boe Folsgaard hatte in dem Kostümfilm "Die Königin und der Leibarzt" (das auch den Drehbuch-Bären erhielt) Christian VII. als großes, gestörtes Kind gespielt. Und die Laiendarstellerin Rachel Mwanza verkörpert in dem erschütternden Werk "Rebelle" eine Kindersoldatin.

Artikelbild: Goldener Bär für die Brüder Taviani, Silber für Christian Petzold Silberner Bär für "Just the Wind" von Bence Fliegauf aus Ungarn.

Ein politisches Anliegen hat auch der Ungar Bence Fliegauf: Sein Drama "Csak a szél"- ein Favorit etlicher Kritiker - über Morde an Roma erhielt den Großen Preis der Jury. Ein weiterer Favorit schien dagegen leer auszugehen: "Lenfant d'en haut" aus der Schweiz. "Es gibt herausragende Filme, die es nicht ganz schaffen," erklärte Ober-Juror Leigh. Und sprach eine "Lobende Erwähnung" für Regisseurin Barbara Meier aus. In Gestalt eines, echte Überraschung, Silbernen Bären.

20.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 20.02.2012 - 10:10 Uhr

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