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Preise bei der Berlinale

Der Goldene Bär liebt den Honig / Auch Polanski ausgezeichnet

Eine internationale Jury vergibt die Berlinale-Preise mit viel Geschick in die weite Kino-Welt: Bären gehen in die Türkei, nach Rumänien und Russland, China und Japan. Roman Polanski bekommt aber auch einen.

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MAGDI ABOUL-KHEIR
Artikelbild: Der Goldene Bär liebt den Honig / Auch Polanski ausgezeichnet Goldener Bär für "Bal" (Honig) aus der Türkei.

Die atemraubende Begegnung fand in den nordost-anatolischen Wäldern statt. "Nur zehn Meter von uns entfernt tauchte ein Bär auf. Er wollte Honig aus Bienenstöcken holen. Als er uns sah, flüchtete er - aber ich glaube, jetzt ist er hier." Zärtlich sah Semih Kaplanoglu den Goldenen Bären in seiner Hand an, als er am Samstagabend die Worte sprach. Gerade hatte der türkische Regisseur den Hauptpreis der 60. Berlinale für seinen kunst- und seelenvollen Film "Honig" erhalten.

"Bären mögen Honig", sagte Johannes Rexin, einer der deutschen Koproduzenten des Films. "Bal", so der Originaltitel, sieht die Welt aus den Augen eines kleinen Jungen. Er wird später Dichter werden, andere Filme Kaplanoglus erzählen das; aber jetzt kämpft er mit der Sprache, flüstert mit seinem Vater, an dessen Seite er eine fast mystische Natur entdeckt. Eines Tages bricht der sorgsame Vater, der Honigsammler, in ferne Wälder auf und kehrt nicht wieder. Ein Film über Aufwachsen und Verlust, über Mensch und Umwelt. Der achtjährige Hauptdarsteller Bora Altas ist das unvergessliche Gesicht dieser Jubiläums-Berlinale.

Artikelbild: Der Goldene Bär liebt den Honig / Auch Polanski ausgezeichnet Psychothriller im Eis: "How I Ended This Summer" aus Russland.

Um beim Thema Bären zu bleiben: Zwei silberne Exemplare gingen an den russischen Film "How I Ended This Summer", ein in der Arktis spielender Zweimann-Psychothriller - in dem ein Eisbär einen großen Auftritt hat. Die Auszeichnungen gingen an den Kameramann und an beide Hauptdarsteller Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis, Letzterer ein Bär von einem Mann. Ein Schalk, wer sich daran erinnert, dass Jury-Präsident Werner Herzog mal einen Film namens "Grizzly Man" gedreht hat.

Während sich die Russen bärig freuten, war die zur besten Darstellerin gekürte Shinobu Terajima nicht mehr in Berlin - die bekannte japanische Aktrice stand in Osaka auf der Bühne, sagte Regisseur Koji Wakamatsu. Shinobu Terajima zeigt in dem Antikriegsfilm "Caterpillar" (Raupe) ein Extremleistung: Sie spielt eine Frau, deren Mann ohne Arme und Beine, stumm und entstellt aus dem Krieg heimkommt und dennoch sadistisch Druck ausübt. Zwischen Pflichterfüllung, Ekel und Hass muss sie mit diesem "Kriegsgott", wie ihn die Anderen im Dorf nennen, leben - der Film scheut dabei nicht vor zahlreichen expliziten Sexszenen zurück.

Artikelbild: Der Goldene Bär liebt den Honig / Auch Polanski ausgezeichnet Heimkehr des Grauens: "Caterpillar" aus Japan.

Noch ein Bär ging nach Fernost: Wang Quanan, der schon eine Gold-Statue zuhause stehen hat ("Tuyas Hochzeit", 2006), bekam für "Apart Together" den Drehbuchpreis. Für Kontroversen sorgt das Urteil nicht, ebenso wenig wie die zwei Ehrungen fürs rumänische Gefängnisdrama "Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich".

Einzig die Auszeichnung von Roman Polanski als besten Regisseur für sein routiniert spannenden Politthriller "Ghost Writer" wird für Diskussionen sorgen - werden manche den Preis für den in der Schweiz unter Hausarrest stehenden Polanski als symbolischen Akt begreifen? Die Produzenten bedankten sich allemal bei den deutschen Partnern (Finanziers, Filmcrew, Studio Babelsberg) und ließen von Polanski ausrichten: "Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gegangen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet."

22.02.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 18.05.2010 - 13:53 Uhr
Zuletzt Kommentiert

Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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