25.02.2010 Drucken Empfehlen
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Interview mit Leonardo DiCaprio

Auf Shutter Island steht der Hollywoodstar an einem seelischen Abgrund

Als US-Marshall, der sich unter geistesgestörte Schwerverbrecher begibt, kommt Superstar Leonardo DiCaprio in dem Thriller "Shutter Island" von Martin Scorsese in die deutschen Kinos. Ein Interview.

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DIETER OSSWALD
Artikelbild: Auf Shutter Island steht der Hollywoodstar an einem seelischen Abgrund Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio bei den Dreharbeiten.

Können wir das Interview auf Deutsch führen? Immerhin sprechen Sie ja sogar im Film einige Sätze in der Sprache Ihrer Mutter?

LEONARDO DICAPRIO: (lacht) So gut ist mein Deutsch dann leider doch nicht. Ich kann mich auf Deutsch zwar einigermaßen verständigen, das sind aber nur Grundkenntnisse, die für ein anspruchsvolles Gespräch nicht ganz ausreichen würden. Ich könnte mir zum Beispiel mein Lieblingsgericht bestellen: "Kartoffelpfannekuchen".

Regisseur Scorsese ist Perfektionist, hat er Ihnen einen Sprachtrainer für Ihre deutschen Dialoge besorgt?

DICAPRIO: Ich verlasse mich immer auf Experten, um mich gut vorzubereiten. Das betraf diesmal nicht nur die Sprache, sondern auch das Thema Psychiatrie. Wir hatten eigens einen Spezialisten am Drehort, der für die medizinische Echtheit der Darstellung zuständig war und uns die Psychosen der Figuren und ihr Verhalten erklärte.

Das sind ja Ausflüge in die Abgründe der menschlichen Seele. Fühlen Sie sich wohl dabei?

DICAPRIO: Mein Job ist es, die Figur zu verkörpern. Ich habe nicht annähernd solche traumatischen Erfahrungen gemacht wie der Teddy im Film. Der Trick ist immer der, dass man einfach Berührungspunkte mit einer Rolle finden muss, was in diesem Fall alles andere als einfach war. Das ist die emotionalste und extremste Rolle, die ich je gespielt habe.

Würden Sie für einen anderen Regisseur ähnlich weit gehen wir hier?

DICAPRIO: Schwer zu sagen. Ganz entscheidend für die Arbeit ist das Vertrauen zu einem Regisseur. Denn er sitzt später im Schneideraum und kann Dinge verstärken oder weglassen. Als Schauspieler gibst du deinem Regisseur alles, und er entscheidet anschließend, was daraus entsteht.

Wie einfach legt man so eine Figur nach Feierabend wieder ab?

DICAPRIO: Das ist nicht ganz leicht. Man konzentrierte sich in der Vorbereitung und beim Drehen voll und ganz auf diese Figur, das kann vier bis fünf Monate dauern. Allerdings würde ich nie behaupten, dass ich mit einer Rolle verschmelze. Am Drehort starren dich ständig 150 Leuten an, du hast eine gigantische Kamera vor dem Gesicht und irgendwann die Mittagspausen - das ist also niemals das reale Leben. Aber natürlich gibst du dein Bestes, um diese Figur lebendig werden zu lassen.

Es gibt Szenen im Konzentrationslager Dachau, wie geht man als Schauspieler damit um?

DICAPRIO: Ich habe selbst noch keine Gedenkstätte eines Konzentrationslagers besucht. Aber schon diese Kulisse eines Films, wo Berge von toten Menschen liegen, hatte eine unheimliche Wirkung. Der Anblick löste bei allen ein mulmiges Gefühl aus. Diese Sequenzen sind aber wichtig, damit man versteht, welche extremen traumatischen Erinnerungen Teddy durchlebt.

Sie sind jetzt 20 Jahre im Geschäft. Treibt Sie immer noch dieselbe Leidenschaft? Oder hat das abgenommen?

DICAPRIO: Ich fühle noch immer dieselbe Leidenschaft und bin absolut stolz auf meine Arbeit. Man wird richtig süchtig danach, seinen Helden nachzueifern und an die Grenzen zu gehen. Ich fände es gefährlich, wenn man sich einfach zurücklehnt und glaubt, man wäre nun am Ziel.

Sind Sie heute besser als damals?

DICAPRIO: Natürlich wird man besser, das hat aber ganz einfach mit der Lebenserfahrung zu tun. Je älter man wird, desto weiser ist man doch, oder? (lacht) Allerdings habe ich als Schauspieler ja nie Einfluss darauf, was das Publikum über mich denkt. Ich kann nur versuchen, immer das Beste zu geben. Dabei heißt mein Motto: Schmerzen gehen vorüber, ein Film ist für die Ewigkeit.

Wie wichtig ist es Ihnen, vom Publikum geliebt zu werden?

DICAPRIO: Zu wissen, dass ich ohnehin keine Kontrolle über die Meinung meiner Zuschauer habe, gibt mir eine gewisse Freiheit. Ich mache mir darüber keine großen Gedanken, sondern mache lieber meinen nächsten Film.

Haben Sie keine Lust auf eine Auszeit?

DICAPRIO: Ich mache ja schon seit einer ganzen Weile Filme. Vielleicht sollte ich mich auch einmal auf mich besinnen und einfach einmal nichts tun. Keine große Pause, kein radikaler Bruch. Aber einfach ein paar Monate zum Verschnaufen und ohne Hektik nach einem neuen Projekt Ausschau halten.

Wie sähe das Nichtstun bei Leonardo DiCaprio aus?

DICAPRIO: Sie wären schockiert, wie banal das ist. Ich würde ganz gewöhnliche Sachen machen, wie alle anderen auch. Zuhause bleiben. Mit Freunden am Pool herumhängen. An Orte fahren, wo ich noch nie war. Alte Filme auf DVD anschauen. Aber ich würde das wahrscheinlich nicht lange durchhalten.

Sie bringen gerne Ihre Mutter mit auf Premieren. Ist sie der Anker zum Boden der Realität?

CICAPRIO: So dramatisch ist das nun auch wieder nicht. Es ist einfach so, dass sie sehr gern zu solchen Sachen geht. Und wenn ich die Möglichkeit habe, jemanden mitnehmen zu dürfen, dann tue ich ihr doch den Gefallen. Gerade Berlin: Sie hat Verwandte hier, sie liebt Reisen durch Europa und nimmt gern an meinem Leben teil. Ich finde es cool, dass sie dabei ist.

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25.02.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 18.05.2010 - 13:53 Uhr
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Schlechter Film: weder witzig, noch spannend, noch interessant.


Mary über Zettl

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