Der Schweinegrippe-Virus grassiert seit November im Landkreis – und führt ganz nebenbei die Gesundheitsbürokratie ad absurdum.
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Angelika Bachmann
Tübingen. Der erste Schweinegrippe-Fall wird den Gesundheitsbehörden im Landkreis Tübingen am 22. Juni gemeldet. Es handelt sich um einen Mann, der kurz zuvor aus den USA zurückgekehrt war. In den kommenden Wochen gibt es weitere Krankmeldungen von Urlaubsheimkehrern: Ein Schüler der Walter-Erbe-Realschule bringt die Grippe von einer Klassenfahrt nach England mit. Ein zweiter ist erkrankt, aber noch nicht getestet – der Rektor lässt daraufhin gleich die ganze Schule für eine Woche schließen. Dann sind ohnehin Sommerferien.
Anfang November rollt die Grippewelle dann tatsächlich an. Anfangs werden die Fälle gezählt, jeder Verdachtsfall wird getestet. Bald sind die Labore völlig überlastet, können die eingeschickten Proben erst Tage später analysieren. Im Gesundheitsamt gehen waschkörbeweise Meldungen und Laborergebnisse ein. Schließlich kapitulieren die Gesundheitsbehörden. Die Meldepflicht für die Schweinegrippe wird aufgehoben. Viele finden es zunehmend schwierig, einen vernünftigen Mittelweg zwischen Banalisierung und Hysterie zu finden.
Soll man sich impfen lassen? Darf man sein Kind mit Rotznase in den Kindergarten schicken? Was ist eine normale Erkältung? Und woran erkennt man die Schweinegrippe? Die Wartezimmer der Ärzte quellen über. Manche Schulen schicken eher zögernd, andere sehr schnell ganze Schulklassen nach Hause.
Verwirrung gibt es auch um den Impfstoff: In Tübingen herrscht anfangs Skepsis. Die Gesundheitsbehörden rühren deshalb die Werbetrommel. Als die Fallzahlen Anfang November steigen, füllen sich dann doch die Wartelisten bei den Hausärzten – jetzt wird allerdings bekannt, dass der Impfstoff nicht rechtzeitig geliefert werden kann.
Wie jede Grippe kann auch dieses Virus tödlich sein. Ein 66-jähriger Mössinger starb am 13. Dezember an der Schweinegrippe. Der Mann litt an einer Lungenentzündung, als er sich mit der Schweinegrippe infizierte. In den allermeisten Fällen verläuft die Grippe allerdings wesentlich harmloser, als die Mediziner befürchtet haben.
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